Hallo Kreuzfahrer auf NDR 3 lief soeben ein Beitrag der Norwegian Jewel. Der Brüller war: wenn das Schiff rückwärts fährt, hat es weniger Tiefgang. Ganz schön abgehoben!! Maritime Grüße Gerd
Jetzt mal ohne Witz: das mit der Tiefgangsverringerung habe ich schon öfters gehört - und zwar auch in einer Sendung durch einen Vertreter einer Werft oder Schiffsführung - ich bin mir leider nicht mehr ganz sicher. Mal ganz davon abgesehen, dass man rückwärts fährt wegen der Manövrierfähigkeit, scheint dies durchaus ein Grund zu sein, warum rückwärts überführt wird. Die Erklärung ist, nach dem, was ich weiß, Folgende: Durch das Rückwärtsfahren schaufeln die Schrauben Wasser unter den Rumpf und verdichten dies: Dadurch entsteht Auftrieb und der Tiefgang kann tatsächlich reduziert werden....Habe keine Ahnung von Physik, aber das scheint mir schon plausibel. Die Sendung habe ich leider nicht gesehen.
Sorry, aber da hat der NDR meines Wissens nach Recht.
Durch das Rückwärtsfahren schaufeln die Schrauben Wasser unter den Rumpf und verdichten dies: Dadurch entsteht Auftrieb und der Tiefgang kann tatsächlich reduziert werden.
Flo hat vollkommen Recht. Auch wenn es auf den ersten Blick absurd erscheint, die riesigen Propeller drücken das Wasser unter den Rumpf und lassen dabei zumindest den Heckbereich deutlich ansteigen. Ob dies bei einem nahezu 300m langen Schiff auch Auswirkungen bis zum Bug hat, ist meines Erachtens nicht so klar (ich denke, eher nicht). Aber bei einer Überführung auf der Ems, wenn das Schiff quasi noch "leer" ist und auch später im Betrieb ist der Tiefgang sowieso vorn deutlich geringer als achtern.
MSC Melody 2000 u. 2001, MS Delphin 2002, MS Delphin Renaissance 2003, TS Maxim Gorki 2004, Aida Vita 2005, Color Fantasy 2005, MSC Sinfonia 2006, MS Millenium 2007, MS Nestroy 2007
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Mit diesem Verfahren reduziert sich die Gefahr, daß die Propeller Grundberührung haben, erheblich. Bei Vorausfahrt wird das Wasser unter dem Rumpf weggesogen --> das Schiff sinkt tiefer ein (SQUAT-Effekt; wurde der QE2 zB schon zum Verhängnis (Gegenmaßnahme bei "normaler" Fahrt: sofortige Fahrtreduzierung, denn je schneller die Propeller drehen, desto mehr Wasser wird weggesogen; SQUAT macht sich durch plötzlich auftretende, heftige Vibrationen im Achterschiff bemerkbar)). Sollte die Nase mal über den Grund schleifen, wäre das noch kein Beinbruch; bei den Propellern selbsterklärenderweise aber schon. Zugegeben, man hätte das beim NDR etwas präziser ausdrücken können, aber schließlich üben die noch...
Viele Grüße
Stephan
Posts: 816 | Location: Nordenham/Germany | Registered: July 08, 2002
Moin Stephan! Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Während die Universitäten und Fachhochschulen noch an Studienprojekten zur Berechnung des Squat- Effektes arbeiten, schleppt Meyer seine Schiffe einfach rückwärts durch die Ems und hat Erfolg damit. Der "Olle" Bernoulli hat schon vor langer Zeit eine Formel aufgestellt und bewiesen, dass die Rückströmung letztlich zu einer Spiegelabsenkung führt. Da die Rückströmung aber auch vom Fahrwasserquerschnitt abhängig ist, ist eine präzise Berechnung bis heute noch nicht möglich! Eigentlich unglaublich, findest Du nicht auch? Gruß von der Küste! Heinz
theoretisch in der Tat ein Unikum, wenn man bedenkt, was man so alles berechnen kann. Auf der anderen Seite; was soll es bringen, wenn ich den SQUAT für eine bestimmte Stelle berechnen kann? Schließlich kommen dort immer variable Faktoren wie Tide und Strom hinzu. Da verlasse ich mich lieber auf den Blick auf's Echolot und mein Gefühl, schleunigst etwas tun zu müssen, wenn's anfängt, zu vibrieren.
Außerdem hat man auf Revieren, wo dies zum tragen kommt, eh einen Lotsen, der die entsprechenden Stellen kennt und vorwarnt. Aber Fälle wie der der QE2 beweisen, daß es auch völlig überraschend auftreten kann, wenn man vorher nicht genau die Seekarte studiert hat.
Viele Grüße
Stephan
Posts: 816 | Location: Nordenham/Germany | Registered: July 08, 2002
Hallo Käptn beuge mich Deinem Sachverstand. Ich hatte mir so vorgestellt, dass das Schif 1 oder 2 Meter höher wurde... Was man uns aber von Frau Meyer (nicht verwandt oder verschwägert) bei Meyer erzählte,da sträubten mir doch die Nackenhaare und ich wurde zum Kappenrentner. Die faselte auch immer nur von den Reichen und Schönen, oder gehören wir dazu???? Trotzdem ist ein Besuch der Werft ein Erlebnis. Maritime Grüße Gerd
Vielleicht kann man ja zukünftig die Pods gleich unter dem Bug anbauen. Und die Bugstrahler werden ans Heck verlegt. Immerhin haben die meisten PKWs auch mittlerweile einen Frontantrieb. Das macht sich natürlich gar nicht gut, wenn man mit dem Bug voran auf Grund läuft