Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Moderatoren, ich habe vor einigen Monaten meine erste Kreuzfahrt auf einem deutschsprachigen Schiff gemacht, bei der ich Erholung mit privat organisiertem Sightseeing kombinieren wollte. Auf meine Frage, ob es möglich sei, die Kreuzfahrt für zwei Tage zu unterbrechen, um zwei Orte im Inland anzusehen und dann wieder auf das Schiff zurückzukehren, reagierte man sehr unwirsch, obwohl sich dies alles innerhalb des gleichen Staatsgebietes abgespielt hätte und damit dem Schiff keine Pass-oder Zollformalitäten entstanden wären. Ist ein solches Ansinnen, das früher - so die Erinnerung meiner Großeltern aus der Zeit vor WWII - nicht unmöglich war, heute undenkbar? Ich glaube, daß solche Kombinationsmöglichkeiten für viele Individualtouristen, die ein Schiff wegen der Route wählen, durchaus attraktiv wären. Diese Unterbrechungen sind vor allem dann willkommen, wenn man der doch drögen Bordatmosphäre auf kurze Zeit entkommen möchte, die mich manchmal an ein schwimmendes Seniorenheim / bzw. "Betreutes Wohnen" erinnert hat. Daß der gezahlte Reisepreis davon untangiert bleibt, versteht sich von selbst. Auf Rat und Antwort freue ich mich
darf man mal höflichst nachfragen, welche Gesellschaft, welches Schiff und welche Ziele es betrifft???
So allgemein dürfte es schwierig sein, das Problem zu erkennen, außer man fährt Hurtigruten oder easy.cruise... dort ist es durchaus denkbar und möglich.
Ansonsten kann ich mir höchstens als Beispiel vorstellen, dass man beispielsweise in Genua aussteigt, das Schiff weiterfährt und man bespielsweise in Neapel wieder einsteigt...
Ist so etwas damit gemeint, oder wird erwartet, dass das Schiff im Hafen zu warten hat, bis dass man von seinem persönlichen Landausflug zurückgeeilt ist???
Mit freundlichen Grüßen HeinBloed
Posts: 2618 | Location: In the heart of Europe: Germany... | Registered: May 23, 2006
Sehr geehrter HeinBloed, vielen Dank für die Nachfrage; selbstverständlich ist die Unterbrechung nur so gemeint, wie von Ihnen vorgeschlagen, daß man innerhalb einer Tour und des gleichen Staates ein Zwischenziel auslässt. Daß eine Kreuzfahrt-Unterbrechung zwischen der Türkei und Griechenland Probleme bereiten dürfte, sollte einem klar sein. Ebenso versteht es sich von selbst, daß man sich an die Abfahrtszeiten zu halten hat und sich rechtzeitig telefonisch nach evtl. Änderungen erkundigt. Das Schiff betrachte ich als schwimmende Basisstation, die ich je nach Ausflugsplanung tageweise zur Erholung in Anspruch nehmen kann. War das nicht auch einmal ein Reisegedanke Albert Ballins? Mit freundlichen Grüßen "Die Schiffstonne"
Beispiel: Sie wollen in Fort Lauderdale aussteigen und in Key West wieder an Bord gehen und nehmen auch noch eine amerikanische Gesellschaft, dann kann ich Ihnen jetzt schon sagen, dass es nicht geht.
Deswegen sollten Sie schon konkret werden, wenn Sie eine konkrete Antwort erwarten.
Ansonsten werden Sie mit diesem "Geplänkel" leider kaum eine hilfreiche Antwort erhalten, sondern nur "theoretische" Planspiele.
Leider kenne ich Albert Ballin nicht persönlich, da er bereits 1918 verstorben ist und da ich mir Hapag-Lloyd nicht leisten kann, denke ich, dass ich deren Philosophie, und die Philosophie ihres Gründers, nie verstehen werde.
Schönen Abend!
HeinBloed
Posts: 2618 | Location: In the heart of Europe: Germany... | Registered: May 23, 2006
Sehr geehrtes Publikum wir sind hier nicht auf dem Abtanzball der höheren Töchterschule sondern im Internet und da duzt man sich.Ihr dürft Gerd zu mir sagen. Zum Thema: Ein Reiseveranstalter ist auch für die Sicherheit der Passagiere verantwortlich und so kann ich es mir nicht vorstellen, dass man sich für Tage "aus dem Staub" machen kann. Wenn der Veranstalter solche 2 Tagestouren anbietet, ist es was anderes z B L.A aussteigen- Las Vegas übernachten- San Francisco wieder zusteigen. Was früher mal der Kreuzfahrtgedanke war hat sich heute doch grundlegend geändert, zuletzt durch ISPS.Ich möchte nicht wissen, was in den USA passiert, wenn der Securitychef an Bord den Hafenbehörden mitteilen muß, ihm fehlen z Zt x Passagiere. Viele Grüße Gerd
Die Gedanken Albert Ballins spielen für die heutige Kreuzfahrtbranche keine bedeutende Rolle mehr. Dafür hat sich in den letzten 100 Jahren zuviel getan. Auf den ersten Blick mag dies bedauerlich klingen, doch letztlich bedeutet dies z.B. auch, daß sich heute beinahe jeder irgendeine Art von Kreuzfahrt leisten kann.
Heutige Kreuzfahrtreedereien müssen sich mit dem ISPS-Code, bei Reisen, die in den USA beginnen zudem auch noch mit dem Passenger Services Act herumschlagen (auch wenn es den auch schon vor 100 Jahren gab), was hohe bürokratische Hürden für eine "Auszeit von der Kreuzfahrt" aufwirft oder sie in bestimmten Situationen gar zu einem massiven Gesetzesverstoß werden ließe, der mit drakonischen Geldstrafen verbunden wäre.
Vielleicht kann der eine oder andere unserer auf Schiffen arbeitenden User ja noch ein wenig mehr zu diesem Thema sagen.
Wenn die Bordatmosphäre "dröge" ist und das Schiff an "ein schwimmendes Seniorenheim" erinnert, hat man im übrigen vermutlich das falsche Schiff gewählt. Die Beratung in einem Reisebüro, das sich mit Kreuzfahrten auskennt, kostet nichts extra und vermeidet solche Fehlgriffe.
Sehr geehrte Herren, vielen Dank für Ihre Antworten und Kommentare; auch wenn Sie dieses als "Abtanzball" empfinden, so bitte ich doch darum, Sie weiterhin in dieser Form ansprechen zu dürfen, denn per Du bin ich nur mit Menschen, die ich wirklich gut kenne. Meine Frage bezog sich auf eine beabsichtigte Unterbrechung einer Spanienrundfahrt. Ich hatte jedoch nicht erwartet, "ein Fass" mit dieser Frage zu öffnen, aber das mag meiner Unerfahrenheit geschuldet sein. Was ist bitte der ISPS-code? Soweit ich mich erinnere, stand in den Reiseunterlagen, die mir das auf Kreuzfahrten spezialisierte DER-Reisebüro aushändigte, "individueller Landgang auf eigene Gefahr". Daß der Kapitän und seine Crew für die Sicherheit der Passagiere an Bord verantwortlich sind - that's their job - aber off board? Wenn Passagiere unfreiwillig die Schiffsabfahrt verpassen, werden sie dann für die Verletzung der Sicherheit belangt? Davon stand m.W. in den Reiseunterlagen nichts - und wenn, dann wäre das Schiff ja eine Art 'schwimmendes Bordgefängnis mit gelegentlich gestattetem Land-Freigang'. Mir scheint, daß Kreuzfahrten heute eher nichts mehr für Individualtouristen sind. Das ist schade. Mit freundlichen Grüßen "Die Schiffstonne"
Allerdings sind wir jetzt nur ein kleines Stückchen weitergekommen.
Welches Schiff und welcher Anbieter??? Welche Häfen haben Sie denn angedacht???
Vielleicht haben Sie bislang ja nur an der falschen Stelle nachgebohrt???
ISPS = Hafensicherheit (seit 9/11) = Pflicht in allen Häfen.
Selbstverständlich steht es Ihnen frei, zu tun und zu lassen, was sie wollen.
Gerade in Spanien können Sie ja getrost Ihren Reisepass an Bord lassen und können sich getrost mit dem Personalausweis ausweisen.
Sie sollten nett sein, und das Tagesprogramm mitnehmen, aus dem die Telefonnummer des Hafenagenten hervorgeht.
Wenn Sie nämlich nicht pünktlich zurück sind, wird sich jemand die Mühe machen, eine Kopie Ihres Reisepasses bei ihm zu hinterlegen und der arme Kerl wartet im Hafen vergeblich auf Sie... und das muss ja nicht sein.
Wenn Sie zu spät kommen, ist es sowieso Ihr Job zu sehen, wie Sie zum nächsten Hafen kommen.
Nun lese ich auch sehr viel im amerikanischen Forum. Viele wollen zum Beispiel die Überfahrt von Livorno nach Rom nutzen, um den Abend in Florenz zu verbringen und dann erst wieder in Rom an Bord zu kommen. Das geht u. U. auch, wenn man es vernünftig eintütet!!!
Deswegen, nennen Sie mal Roß und Reiter, damit man einfach mal Ihre konkrete Situation abschätzen kann.
Schönen Abend.
HeinBloed
Das ganze erinnert mich an die Telekom-Werbung mit "Pützi"...
Posts: 2618 | Location: In the heart of Europe: Germany... | Registered: May 23, 2006
mich erinnert das eher an einen Witzbold, der sich hier auch eure Kosten eine nette Zeit macht.
Ich habe übrigens auch mal ne Frage: Ich beabsichtige auf meiner nächsten Norwegenreise im Sinne von Ballin (Lustfahrt) und unseres Kaiser Wilhelm II (sportliche Ertüchtigung) um das Schiff herumzuschwimmen und, wenn es mir beliebt auch mal unten durchzutauchen. Hierzu habe ich in den Unterlagen auch nichts gelesen, darf ich das im Sinne von ISPS, allen norwegischen Trollen und natürlich: Erlaubt das mir meine Frau?
Meine Meinung zu den Unterbrechungen: Mach ich eine Kreuizfahrt, dann nehme ich in Kauf, dass ich vieles nur blitzlichtartig kennenlerne. Möchte ich intensiv Land und Leute kennen lernen, mache ich eine individuelle Rundreise. Alerbt Ballin hat übrigens nie von Individualtourismus gesprochen, soweit ich weiß. Also Schiffstonne: Was wünschen Sie? "Würden Sie mich bitte waschen, ohne mich nass zu machen?"
Viele Grüße
Ernst
Posts: 67 | Location: Allgäu | Registered: October 05, 2002
Kreuzfahrten sind in der Tat insofern "nichts für Individualtouristen", als daß sie eine Form der Pauschalreise sind. Und das ist nicht nur "heute" der Fall, sondern ist eine Grundsätzlichkeit.
Es gibt wenige Ausnahmen (z.B. die Hurtigruten), die jedoch daher auch nicht als klassische Kreuzfahrten angesehen werden, sondern einen Sonderstatus genießen.
In den letzten Jahrzehnten hat sich die gesamte Schiffahrtsbranche (also längst nicht nur die Passagierschiffahrt) insofern gewandelt, als daß es in der Regel nicht mehr möglich ist, spontan an Bord eines Schiffs zu gehen, es zwischendurch zu verlassen oder ein Schiff im Hafen zu besichtigen. Insbesondere die Entführung der "Achille Lauro" 1985 führte bei den Kreuzfahrtreedereien zu verstärkten Sicherheitsmaßnahmen, die zudem durch weltweit gültige gesetzliche Regelungen (z.B. durch Erweiterungen der SOLAS-Konvention zur Sicherheit des Lebens auf See) manifestiert wurden.
In der Folge des 11. September 2001 wurden diese Regelungen nochmals dramatisch verschärft, etwas durch den von den USA durchgesetzten ISPS-Code (International Ship and Port Facility Security Code), der Häfen, Reedereien und Schiffen ein z.T. an Paranoia grenzendes Maß an Sicherheitsregeln auferlegt. Schiffe und Reedereien, die sich daran nicht halten, dürfen die meisten Häfen der Welt nicht mehr anlaufen.
Die Anmerkungen "individueller Landgang auf eigene Gefahr" bezieht sich auf den individuellen Landgang im Rahmen der aufgeführten Hafenliegezeiten. Es ist zwar richtig, daß die Schiffsführung nicht dafür verantwortlich ist, was die Passagiere an Land tun, aber sie ist sehr wohl dafür verantwortlich, daß die Passagierlisten, die z.B. den Behörden der Anlaufhäfen mitgeteilt werden müssen, stimmen.
quote:
Wenn Passagiere unfreiwillig die Schiffsabfahrt verpassen, werden sie dann für die Verletzung der Sicherheit belangt?
Das hängt vom konkreten Fall ab. Bei einer Kreuzfahrt, die dem amerikanischen Passenger Services Act unterliegt, können beispielsweise die USA Bußgelder in sechsstelliger Höhe (!) erheben.
Und um es noch einmal klar zu sagen: Die gesetzlichen Regelungen wurden nicht von den Reedereien verabschiedet, sondern von der IMO, die zur UNO gehört. Die Reedereien müssen sich dem fügen oder sie waren die längste Zeit im Geschäft!
Die Beratung in einem Reisebüro, das sich mit Kreuzfahrten auskennt, kostet nichts extra und vermeidet solche Fehlgriffe.
Sehr geehrte Schiffstonne Sie haben mit unserem hochverehrten Raoul den richtigen Ansprechpartner für Probleme derartiger Art. http://www.sonnendeck-seereisen.de/ Es ist dergestalt auch noch ein Jens tätig, der auch nicht ganz unbefleckt von Seereisen jedweder Art ist. Wenn es Ihnen genehm ist, uns Ross und Reiter also Schiff und Destinationen zu nennen, werden wir sicher die Zeit finden, derartige Probleme mit dem gebotenen Respekt zu beantworten. Da ich mit meinen 68 Jahren auch nicht gerade nur in die Lüneburger Heide gefahren bin, stehe ich Ihnen untertänigst mit Rat und Tat zur Seite, aber nur wenn es gewünscht wird. Freunde dürfen mich Gerd nennen. Meine Verehrung Gerd
das passt ja wunderbar. Die 50 yards packe ich momentan zwar noch nicht ganz, werde aber morgen mal im See trainieren gehen. Das Wetter spielt mir ja momentan bei der Vorbereitung für norwegische Gewässer richtig in die Hände.
Viele Grüße Ernst
Posts: 67 | Location: Allgäu | Registered: October 05, 2002
Sehr geehrter Herr Fiebig, sehr geehrte Herren, vielen Dank für die Informationen und Meinungen zum Thema Kreuzfahrtunterbrechung. Ich in gebeten worden, meine Reisepläne zu spezifizieren, was ich hiermit tue - anbei die konkrete Kreuzfahrt, die ich mich interessiert: Schiff: Nautica Route: Venedig-Barcelona Dauer: 27.07.07.-11.08.07. Das Schiff liegt zwei Tage in Sorrent und einen Tag in Amalfi. Diese Tage würde ich gerne nutzen um mir Salerno, Paestum und Cosenza anzuschauen. Das impliziert, eine,evtl. zwei Nächte außerhalb des Schiffes zu verbringen zu können. Mit entsprechender Vorab-Information der Schiffsleitung und des Hafenagenten organisiere ich das gerne selbst, weil die Reiseroute davon abhängt, was ich mir genau ansehen möchte. Ich hoffe, daß dieser Unterbrechungswunsch kein ernsthaftes Problem darstellt, denn ich finde gerade die Mischung aus ruhigen Tagen auf See und der Möglichkeit, das Besichtigungsprogramm den eigenen Bedürfnissen anpassen zu können, besonders erholsam. Bei einer Pauschalreise mit organisiertem Landgang dagegen bleiben die Eindrücke an Land notgedrungen zumeist so oberflächlich, daß ich mir eine Reise deswegen eigentlich sparen und stattdessen zu Hause ein Buch zur Hand nehmen kann. Mit freundlichen Grüßen "Die Schiffstonne"