Als Nicht-Fachmann ein paar Gedanken von mir: - laut Forum handelte es sich um einen 20 Meter langen Riß. Ob man sowas "abdichten" oder das Eindringen von Wasser durch Verschließen der Schotten oder Abpumpen verhindern hätte können, halte ich für mehr als fraglich. - das Schiff hatte eine enorme Schlagseite. Wer weiß, wo sonst noch Wasser eingedrungen ist. - Santorin ist nichts als ein landschaftlich schöner (wer "Mondlandschaften" schätzt) aber höchst unwirtlicher, schroffer Felsen mitten im Meer. Da gibt es nur Steilküsten, die tief ins Meer abfallen. Von einem nahegelegenen Dock weiß ich nichts. Im Extremfall wäre sie an der Schlepptrosse gesunken. Daß jede Menge Schiffe in der Nähe waren, ist schon richtig. Trotzdem war es nicht möglich, sie zu stabilisieren und vom Sinken zu bewahren.
LG
Wurxel
Posts: 809 | Location: Austria | Registered: February 08, 2006
ein paar Erklärungen bzw. Gedanken habe ich schon zu deinem Beitrag.
quote:
Originally posted by Caval-Canti: leichten "Streifschuss" durch die Felsberührung abbekommen, der nicht so schlimm enden würde. Die Mannschaft hätte ja auch die Schotten verschliessen können.
Was mir nicht klar ist, wenn ich annehme, dass das Leck ziemlich weit unten im Schiffskörper war und eben diese Schotten darüber geschlossen waren, warum konnte das Wasser trotzdem in die höheren Stockwerke gelangen?
hätte man doch viel zusätzliche Zeit gehabt, um das Schiff in ein Dock oder wenigstens in eine seichtere Gegend hätte schleppen können?
Hätte man das Schiff nicht retten können, wie seht Ihr das?
Nun, zunächst mal hat die Mannschaft sofort nach der Kollision die Schotten verschlossen. Hätten sie es nicht getan, hätte sich die "Sea Diamond" bei einem 20 Meter langen Leck unmöglich noch 15 Stunden über Wasser gehalten, sondern wäre vermutlich sehr schnell gesunken.
Und selbst wenn alle wasserdichten Abteilungen verschlossen sind, verträgt ein Schiff nur eine bestimmte Maximalmenge an gefluteten Abteilungen. Sind es zu viele (was hier der Fall war), zieht das Gewicht der gefluteten Abteilungen das Schiff unweigerlich unter Wasser, manchmal schneller, als die Lenzpumpen die leckgeschlagenen Abteilungen leerpumpen können. Und dann dringt das Wasser früher oder später auch durch andere Öffnungen wie Luken oder zerborstene Fenster ins Schiffsinnere und beschleunigt den Sinkvorgang.
Möglicherweise ist es denkbar, dass man das Schiff noch an eine seichtere Stelle der Caldera von Santorin hätte schleppen können. Doch dort wäre sie mit Sicherheit auch mit dem Kiel auf den (niedrigen) Grund abgesunken, denn die Beschädigung war viel zu schwer, auch wenn sie so, streng genommen, nicht "untergegangen" wäre. Doch es wäre auch in diesem Fall irreparabel gewesen. Vor allem auch wirtschaftlich, in Anbetracht von Alter und Wert des Schiffes, aber vor allem aufgrund der erheblichen (letztendlich "tödlichen") Schwere der Beschädigung. Ein Versicherungsfall, der nur noch zu verschrotten gewesen wäre (man vergleiche das mal mit der damals nagelneuen "Pride of America", die in Bremerhaven auch auf den Grund abgesunken war, und deren Rettung wirtschaftlich und technisch auch sehr fraglich war, obwohl sie kein Leck hatte).
Also wie du siehst, ich bin aufgrund der bislang mir bekannten Infos der Meinung, das die Sea Diamond nach der Havarie nicht mehr zu retten war, so oder so.
Eine ganz andere Frage ist die Verantwortung der Besatzung für das Unglück. Auch wenn sie nach der Havarie alles richtig gemacht haben mögen, "Meeresströmungen" für das Unglück verantwortlich machen zu wollen, halte ich, mit Verlaub, für lächerlich. Will aber an dieser Stelle nicht weiterspekulieren.
auf einer E-Mail-Liste postete ein Mitarbeiter der US-Küstenwache, der u.a. (gemeinsam mit Kollegen vom NTSB) für Unfalluntersuchungen verantwortlich ist.
Seiner Meinung nach ist im Fall der "Sea Diamond" genau das passiert, was bei anderen ähnlichen Unglücken in den letzten Jahren (er nannte als Beispiel die "Monarch of the Seas" / St. Maarten) vermutlich am Ende auch passiert wäre. Der Unterschied sei seiner Meinung nach, daß es auf Santorin keine Möglichkeit gegeben habe, die "Sea Diamond" nach der Havarie auf eine seichte Sandbank oder einen Sandstrand zu setzen, was seiner Aussage zufolge die "Monarch of the Seas" gerettet habe.
Auch sei das vor dem Sinken erfolgte Kentern typisch für moderne Schiffe. Sie gingen aufgrund ihres im Vergleich zu älteren Linern sehr hohen Schwerpunktes nahezu ausnahmslos auf diese Weise unter.
Originally posted by Raoul Fiebig: Der Unterschied sei seiner Meinung nach, daß es auf Santorin keine Möglichkeit gegeben habe, die "Sea Diamond" nach der Havarie auf eine seichte Sandbank oder einen Sandstrand zu setzen, was seiner Aussage zufolge die "Monarch of the Seas" gerettet habe.
Man hätte versuchen können, die Sea Diamond an der Küste der kleinen Insel "Nea Kameni" in der Mitte der Caldera auf Grund zu setzen, dort fällt die Küstenlinie längst nicht so steil ab, und sie verfügt meinen Infos nach über einige Geröllstrände. Trotzdem fraglich, ob das funktioniert hätte. Und wie gesagt, es hätte sich vermutlich auch (bei einem 20 Meter langen Leck) nicht mehr gelohnt.
*** Splendour of the Seas (2001) *** Olympia Voyager (2002) *** Golden Princess (2003) *** Costa Classica (2004) *** Costa Fortuna (2006) *** MSC Musica (2006) *** Millennium (2007) *** Legend of the Seas (2008) *** Marco Polo ... and coming soon: Summit
konnte die Berichterstattung auch in den amerikanischen Medien verfolgen. Hier wurden einige Amerikaner von der Presse befragt, die ein ziemliches hilfloses und konfuses Bild darstellten. Gerade auch die Themen Todesangst usw. wurden genannt.
Nun, ich wuensche niemanden eine solche Situation, doch wenn man sich mal die Bilder ansieht (vielen Dank auch an Michael!) - und ich moechte wirklich nichts schoen reden - waren dort ganz offenbar mehr als genug Schiffe in kurzer Distanz. Des Weiteren schien die Sonne, was bei anderen tragischen Schiffsunfaellen der Vergangenheit nicht der Fall war. Wie es auch abgelaufen sein mag und so schlimm der vermutliche Verlust von zwei Passagieren auch ist, 1.165 Passagiere und 391 Besatzungsmitglieder zu retten sollte auch mal positiv erwaehnt werden.
Ich finde es auch ein wenig unpassend, dass die Inselregierung Louis Cruise Lines nun wegen Verschmutzung ihrer Insel vor Gericht ziehen moechte (wenn sie das Recht dazu haben... vielleicht) - aber man sollte auch unbedingt erwaehnen, dass Louis noch am selben Tag eine Spezialfirma zur Beseitigung von Umweltschaeden benannt und beauftragt hat. Hoffentlich hat man sich auch das Statement von DNV durchgelesen - ich bezweifle, dass die einheimisch registrierten Schiffe so gute und vor allem aktuelle Klassenberichte haben(!!!).
Der Vorfall ist - wegen der beiden Vermissten und dem verlorenen Schiff - tragisch.
Es haette aber auch alles noch schlimmer kommen koennen, denke ich.
Laut neuesn Berichten soll nunmehr der Fahrtenschreiber der "Sea Diamond" geborgen worden sein. Ein Roboter habe die so genannte Black Box von der Brücke des gesunkenen Schiffs an die Wasseroberfläche gebracht. Die Ermittler erhoffen sich vom Fahrtenschreiber Aufschluss über den Unglückshergang, der zum Untergang des Schiffes führte.
Originally posted by Raoul Fiebig: Hallo allerseits,
auf dieser Seite wurden Fotos von Bord der "Sea Diamond" während der Evakuierung gepostet.
Hallo,
es erweckt fast den Eindruck, als hätten viele Passagiere den Ernst der Lage nicht erkannt und finden die Situation äußerst lustig. Aber man weiss ja nicht, wie man selbst in dieser Situation reagiert.
dein Link war genau so wie der von Raoul überaus interessant, auf diesen Fotos konnte man sehr gut die kritischen Momente erkennen, als das Schiff auf die Felsen von Santorini driftete. Was mag den Passagieren da wohl durch den Kopf gegangen sein ?
Hallo Käptn Detampel lässt die Passagiere im Gänsemarsch mit einer Hand auf der Schulter des Vordermannes zum Boot marschieren. Ob das in einer Extremsituation so klappt, na ja...geübt haben wirs jedenfalls mehrere Male. Viele Grüße Gerd
ich hätte auf jeden Fall ein ziemlich mulmiges Gefühl in der Bauchgegend. Ich denke die meisten hatten keine Ahnung wie kritisch die Lage wirklich war.