Zitiere die Zeitung "Kurier" aus Österreich von heute:
Alte Öltanker "Schwimmende Zeitbomben"
Die jüngste Serie von Tankerunfällen verdeutlicht die Gefährlichkeit der alten Ölschiffe. Ab 2010 sind sie verboten.
Nachdem sich bereits vergangene Woche in der Bucht von San Francisco ein folgenschweres Tankerunglück ereignet hatte - 220.000
Liter Rohöl liefen aus dem Leck geschlagenen Tanker "Cosco Busan" aus, der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger rief den
Notstand aus - droht nun auch im Schwarzen Meer eine Umweltkatastrophe.
Wie berichtet passierten am Sonntag in der Straße von Kertsch, die das Schwarze mit dem Asowschen Meer verbindet, eine Reihe von
Schiffsunglücken. Meterhohe Wellen ließen u.a. den Heizöltanker "Wolganeft-139" auseinanderbrechen, mindestens 1300 Tonnen Heizöl liefen aus. Die russische Staatsanwaltschaft räumte ein, dass der
Tanker nicht sturmsicher war. Darüber hinaus sank ein mit rund 2000 Tonnen Schwefel beladener Tanker. Umweltschutzbehörden gehen davon aus, dass "die Folgen selbst in einem Jahr und vielleicht noch länger" zu spüren sein werden.
Der gekenterte Tanker dürfte noch aus der Sowjet-Zeit stammen. "Alte Tanker sind schwimmende Zeitbomben", warnt Antje Helms,
Meeresexpertin von Greenpeace in Österreich. Etwa 173 der 455 Großtanker (mehr als 200.000 Tonnen Ladekapazität), die auf den
Weltmeeren verkehren, entsprächen noch nicht den neuen Sicherheitsvorschriften: Spätestens 2010 müssen alle Öltanker mit doppelten Wänden ausgestattet sein. Rund zwei Milliarden Tonnen Rohöl und Mineralölprodukte werden jährlich von den etwa 2000 Öltankern (inkludiert auch Schiffe unter 200.000 Tonnen Lademenge)
transportiert.
Ölverseucht
Tankerunfälle sind zwar spektakulär. Die größten Verschmutzer sind die Öltanker aber bei weitem nicht. Laut der Statistik der Internationalen Maritimen Organisation (IMO) gelangen 457.000 Liter Öl jährlich durch die Schifffahrt ins Meer - davon aber nur etwa ein
Drittel durch Schiffsunfälle. Das Auswaschen der Ölkessel, die Reinigung von Tankern und Schiffen sowie Ölverluste im normalen
Betrieb tragen einen nicht unwesentlichen Anteil an der Umweltverschmutzung der Weltmeere. Immerhin befahren mehr als 50.000
Frachtschiffe die Meere - die 2000 Öltanker sind nur ein kleiner Anteil davon.
Öltankerunfälle sind für die Umwelt allerdings besonders dramatisch. "Sie fahren meist in Küstennähe", erklärt Greenpeace-Expertin Helms. Der schwimmende Ölteppich zerstört daher besonders viel der Tier- und Pflanzenwelt und gefährdet die Menschen in Küstennähe.
Die Umstellung der weltweiten Tankerflotte auf "doppelwandige Ölkessel" geht allerdings sehr langsam vor sich. Schon 1993 wurde die
erste Grundsatzvereinbarung dazu getroffen. Die Regelung galt zunächst nur für große, neue Tanker und sah ein allmähliches Auslaufen der alten Ölschiffe bis 2015 vor. Erst heuer wurde diese Frist auf 2010 vorverlegt. Die Vorschrift gilt jetzt auch für kleinere Tanker.