wir sind am Sonntag von unserer einwöchigen Reise auf der Norwegian Jewel zurückgekehrt und sind total begeistert. Nach diversen Cruises war dieses unsere erste Fahrt auf einem amerikanischen Schiff, und wir hatten diese Reise ausgewählt, 1. weil wir schon immer mal gerne ein Ami-Schiff ausprobieren wollten, 2. weil Barcelona als Abfahrts- und Ankunftshafen für uns günstig ist, 3. weil wir Freestyle-Cruising (welches wir modifiziert von AIDA kennen) bevorzugen, 4. weil wir gerne auf ein relativ neues Schiff wollten, 5. weil die Reisezeit für uns optimal passte, 6. weil der Preis stimmte. Die Route Barcelona - Seetag - Messina - Neapel - Civitavecchia - Livorno - Villefranche - Barcelona war für uns eher nebensächlich, da wir die meisten Häfen im Mittelmeer durch AIDA und Costa "kennen".
U355323 hat ja im August einen supertollen, ausführlichen Bericht geschrieben (lieber Raoul o.a. Moderator: vielleicht könntet Ihr diesen Bericht hier verlinken, bin leider zu blöd dazu), so dass ich nur unsere persönlichen Eindrücke (HeinBloed möge es mir verzeihen) ergänzen möchte. Dem Bericht von u355323 kann ich mich inhaltlich voll anschließen. Er war mir bereits bei der Planung hilfreich, aber jetzt, im nachhinein, kann ich erst alles richtig nachvollziehen und bestätigen. So haben wir es auch erlebt.
Nach pünktlichem Flug mit AirBerlin waren wir gegen 11 Uhr am Hafen, wo wir gleich die Einschiffungsformalitäten erledigen konnten. Ab 11.30 Uhr durften wir aufs Schiff. Die Kabine war bereits bezugsfertig. Die Innenkabine auf Deck 10 backbord achtern empfand ich doch als sehr klein (jedenfalls kleiner als die angegebenen 13 qm) und dunkel (auch wenn sämtliche Lichtquellen an waren). Normalerweise buchen wir auf meinen Wunsch immer Außenkabinen, da ich das Tageslicht brauche, aber es war bei unserer relativ späten Buchung keine Außen mehr frei gewesen. Sie war jedoch modern und zweckmäßig ausgestattet, und ich habe mir nicht allzuoft die Schienbeine angestoßen. Die Betten schön breit und lang genug; die Matratzen fand ich sehr weich; mein Rücken hat sich die ganze Woche entsprechend beklagt, trotz regelmäßigen Sports. Das Bad hatte eine schöne große, optimal zu regulierende Dusche mit Glasschiebetür; es gab genügend Ablageflächen, Duschgel, Shampoo, Body Lotion, alles vorhanden. Was mir nicht gefallen hat, war, dass kein europäischer TV-Sender vorhanden war, so dass wir bei alleiniger CNN-Berichterstattung und auch fehlenden schriflichen Nachrichten so ziemlich von der Außenwelt abgeschnitten waren (bei den Landgängen hätte man sich natürlich mit aktuellen News versorgen können).
Das Schiff war voll ausgebucht,insgesamt ca. 60 Nationen, der Großteil sicher US-Amerikaner, Kanadier und Engländer (habe leider keine genauen Zahlen von der Reiseleitung erfahren können). Außerdem waren ca. 400 Südafrikaner, 170 Deutsche und 130 Spanier an Bord (lt. Reiseleitung waren 2 Wochen vorher über 900 Spanier an Bord!), altersmäßig alles bunt gemischt, wobei die ganz alten Cruiser (also jenseits der 80/90) fehlten, was mich erstaunte, da selbst auf den Aidas zunehmend altes Publikum (man verzeihe mir den Ausdruck, nicht abwertend gemeint) mitfährt. Da noch Ferienzeit war, gab es natürlich viele Kinder, die aber nicht irgendwie störten. Überhaupt herrschte ein fröhlicher, legerer Ton an Bord.
Die öffentlichen Räumlichkeiten waren alle sehr großzügig, schon teilweise sehr bunt, aber nicht so überladen wie auf der Costa Mediterranea. Unser Lieblingsplatz war auf Deck 12 hinten das Great Outdoors, wo wir oft stundenlang im Nichtraucherbereich (die Raucher mögen es mir verzeihen) lesend, essend, träumend, aufs Meer schauend saßen und einfach nur relaxten. Überhaupt habe ich noch nie solch einen absolut relaxten Schiffsurlaub verbracht wie diesmal. Kein Schlangestehen, kein Gedrängel, kein Liegenreservieren vor Sonnenaufgang. Apropos Liegen: die Schattenplätze fand ich etwas rar bemessen. Durch die vielen Landgänge war es nicht so schlimm, aber z.B. bei einer Transatlantik mit mehreren Seetagen könnte es schon knapp werden, zumal auf dem überdachten Deck 7 nur Stühle zur Verfügung stehen und ansonsten die schattigen Ecken meistens stark dem Wind bzw. Zug ausgesetzt sind.
Das Theater hat uns sehr beeindruckt. Von allen Plätzen gute Sicht (im Gegensatz zu manchen Costa-Schiffen) und gute Akustik. Besonders gut haben uns die Shows "Cirque Bijou" und "Band on the Run" gefallen. Bei den Comedy-Shows waren wir wegen fehlender englisch-amerikanischer Sprachpraxis nicht. Apropos Sprache: Bisher hatte uns unsere fehlende Sprachpraxis davon abgehalten, auf ein amerikanisches Schiff zu gehen, was sich jedoch als unbegründet herausstellte, da die Amerikaner äußerst freundlich und nett und hilfsbereit sind, so dass wir uns ohne Probleme unterhalten konnten. Mit der Crew war das sowieso kein Problem, da unter den ca. 60 Nationalitäten nur wenige Amerikaner sind, und die haben sich stets bemüht, verständlich zu sprechen.
Das Fitness-Center war gut ausgestattet mit vielen Laufbändern, Crosstrainern, einigen Fitnessgeräten etc. Allerdings gab es zu Spitzenzeiten schon mal Engpässe. Es wurden mehrere Kurse, die meisten kostenpflichtig (10 Dollar für 45 Min.), angeboten. Die Öffnungszeit von 6 bis 23 Uhr fand ich - im Gegensatz zu Costa, wo sich die Leute auf die Füße traten - großzügig. Es gibt auch einen Joggingpfad auf Deck 13, der aber meist mit Liegen vollgestellt ist. Ich habe dann Deck 7 zum Walken genutzt, wo man rund ums Schiff (ca. 550 m eine Runde) laufen kann.
Zum Freestyle-Cruising haben u355323 und Rochester ja schon das Wesentliche geschrieben. Wir haben einmal im Tsar's gegessen (mittags), wo wir trotz fast leerem Restaurant ewig zwischen den Gängen warten mussten und das Essen auch qualitativ nur mäßig war, und einmal im Azura (abends), wo das Essen sehr gut war und wir zügig bedient wurden. In beiden Restaurants hat mich erfreut, dass - kaum dass man sitzt - der Kellner ungefragt Eiswasser in große Gläser füllt und ständig nachschenkt (auch hier im Gegensatz zu Costa, wo wir nur auf Nachfrage ein kleines Glas Eiswasser bekamen. Anmerkung für Wurxel: Wir haben natürlich nicht nur Eiswasser getrunken, aber es ging mir hier um die Selbstverständlichkeit, mit der wir bedient wurden; wie man das ja auch in USA-Restaurants gewöhnt ist). Ansonsten waren wir im Great Outdoors (wegen des tollen Feelings, auf der Terrasse sitzen zu können) oder im Garden Buffet Restaurant. In letzterem konnte man sich z.B. asiatische frische Zutaten selbst zusammenstellen und dann im Wok zubereiten lassen. Lecker!!! Ich wäre gerne auch in die Spezialitätenrestaurants gegangen, aber für meine bessere Hälfte ist Essen "notwendige Zeitverschwendung", so dass Vorab-Reservieren, Schön-Anziehen, Warten etc. zu umständlich gewesen wäre. Aber auch so hat es prima geschmeckt, bis auf das fast rohe, jeden Tag gleiche Gemüse (Blumenkohl, Brokkoli, Zucchini, Möhren, Kartoffeln zusammengeschnippelt, einmal in viel Fett geschwenkt und dann aufs Buffet gestellt). Vermisst habe ich die Meeresfrüchte (einmal beim Galadinner gab's Hummer, ansonsten nur zweimal Shrimps- und Surimisalat); hier bin ich bei Costa mehr auf meine Kosten gekommen.
Schiffsbegegnungen: 27.08. Barcelona Brilliance of the Seas, 30.08. Neapel Swan Hellenic Minerva II und Sea Cloud, 31.08. Civitavecchia Pullman Oceanic, MSC Monterrey und New Flamenco (kennt die jemand?), 02.09. Villefranche Thomson Destiny und Christina O., 03.09. Barcelona MSC Rhapsody.
Ausflüge: Wir haben das Meiste auf eigene Faust unternommen. Ausnahmen: ein deutschsprachiger Ausflug nach Pompeji im Regen, Vesuv Fehlanzeige wegen tiefhängender Wolken, aber ansonsten sehr interessant und informativ mit guter Reiseleiterin (hier haben wir übrigens das einzige Mal die von uns so geliebten Kappenrentner in geballter Form im Bus gehabt) und am Ausschiffungstag ein geführter Ausflug in Barcelona mit Ende am Flughafen.
Wetter: Bis auf besagten verregneten Vormittag in Neapel hatten wir die ganze Woche ideales Wetter mit Sonne und Temperaturen zwischen 25 und 28 Grad.
Fazit: Eine wunderschöne, relaxte Cruise. Am liebsten wären wir für die nächste Tour gleich an Bord geblieben. NCL war das erste, aber mit Sicherheit nicht das letzte Mal. Die Bedenken gegenüber amerikanischen Schiffen haben wir verloren (RCCL und Celebrity: Wir kommen!).
Für spezielle Fragen - sofern ich sie beantworten kann - stehe ich gerne zur Verfügung.
klasse Bericht, hätte mich auch gewundert, wenn es euch nicht gefallen hätte, mir eurer Aida-Vorgeschichte.
Schön ist, wenn alles zusammen paßt, das Wetter mitspielt, das Schiff gefällt, die Mitreisenden und die Crew nett sind, dann ist alles perfekt und das wünsche ich mir auch.
vielleicht könntet Ihr diesen Bericht hier verlinken, bin leider zu blöd dazu), so dass ich nur unsere persönlichen Eindrücke (HeinBloed möge es mir verzeihen) ergänzen möchte.
Grrr...
Und hier geht es weiter zu dem erwähnten Bericht von U355323.
Für das nächste Mal:
Oben im Posting ist der URL-Knopf.
In die obere Zeile musst du dann die URL setzen. Am besten seprates Fenster mit dem Anfang des Postings öffnen und aus dem Feld heraus mit Strg-C kopieren und in die obere Zeile dann im URL Feld mit Strg-P hineinkopieren.
In die untere Zeile gibst du dann eine Umschreibung hinein, z. B. "Bericht von U..." oder "hier".
Dann erscheint es so, wie hier in diesem Posting.
Gruß HeinBloed
In 83 Tagen werden wir die Nahrungszufuhr einstellen und in 84 Tagen werden wir alles innerhalb der 18 Stunden auspropieren, was wir schaffen, in unseren Bauch und in unser Hirn hineinzukriegen... Dann bin ich endlich auf der NORWEGIAN PEARL.
Posts: 2620 | Location: In the heart of Europe: Germany... | Registered: May 23, 2006
kannst du das Great Outdoors mal ein wenig beschreiben? Der Name sagt ja schon, dass es sich um ein "offenes" Restaurant handelt, im Decksplan sieht es aber anders ("unter Deck") aus. Wie muss ich mir den Aufbau vorstellen? Handelt es sich um ein a-la-carte Restaurant? Sind alle Plätze "draußen"?
Danke und ahoi,
Marc
Posts: 1469 | Location: Mainz/Rhein | Registered: August 25, 2004
@ HeinBloed Hallo Tien, vielen Dank für die Hilfestellung. Werde es mal in Ruhe ausprobieren.
@ ferrycruiser Hallo Marc, ich versuche mal, das Great Outdoors zu beschreiben. Es handelt sich um ein reines Self-Service-Buffetrestaurant. Es nimmt den ganzen Heckbereich von Deck 12 ein und ist teils überdacht, und zwar von Deck 13, wo der Sportplatz sich befindet, und teils frei und wird dort von einem Riesen-Sonnensegel überspannt, so dass nur die Tische direkt an der Reling gänzlich ohne Überdachung sind. Wenn Du bei den Decksplänen Deck 12 und 13 in Höhe der Fahrstühle übereinander legst, siehst Du den Anteil des überdachten Bereichs. Wenn man vom Garden Café rauskommt, befindet sich rechts der offene Eingang zum (völlig überdachten) Buffet. Dort gibt es im Halbrund (also Augen nach rechts) in reduzierter Ausgabe alle Speisen, die es auch im Garden Café gibt, mit Ausnahme von Asian Food und Pizza. Links sind die Eiswasser-, Saft-,Kaffee- und Heißwasserautomaten, außerdem Frischmilch. Das Buffet ist zu unterschiedlichen Zeiten geöffnet, z.B. von 7 bis 11 Uhr als Frühstücksbuffet, von 15 bis 17 Uhr als Nachmittagssnacks und von 20.30 bis 23.30 Uhr als Abendsnacks (aus Freestyle Daily vom 01.09.) Man muss aber nicht durch den Buffetbereich durchgehen, sondern kann beim Ausgang geradeaus weiter und dann im Halbkreis nach rechts gehen. Links entgegen der Fahrtrichtung (also Steuerbord) ist der Raucherbereich, rechts (also Backbord) der Nichtraucherbereich. Alle Nichtrauchertische sind durch feste Plaketten gekennzeichnet. Ein Teil (d.h. der Freibereich) des Spezialitätenrestaurants "Mama's Kitchen" ist tagsüber auch als Nichtraucherbereich für das Great Outdoors ausgewiesen, abends wird es durch einige Pflanzenkübel abgetrennt, und die Tische werden extra eingedeckt (Backbord). In der Mitte rechts (also quasi an der Außenwand, wo innen die Getränkeautomaten stehen), befindet sich die Bar, die fast durchgehend geöffnet ist (heißt auch Great Outdoor). Sowohl Steuerbord als auch Backbord führt jeweils eine Treppe auf Deck 13. Es gibt Tische unterschiedlicher Form und Größe mit sehr bequemen (meist 4 bis 6) Stühlen. Man kann auch Tische für größere Runden zusammenschieben. Meistens war es dort sehr windgeschützt. Von der Reling kannst Du auf die Heck-Balkonkabinen sehen. Hoffe, Dir damit etwas geholfen zu haben. Eine Zeichnung bzw. Fotografie wäre sicher einfacher.
Schiffsbegegnungen: 27.08. Barcelona Brilliance of the Seas, 30.08. Neapel Swan Hellenic Minerva II und Sea Cloud, 31.08. Civitavecchia Pullman Oceanic, MSC Monterrey und New Flamenco (kennt die jemand?),
Hallo Tobias, ein sehr informativer und ausführlicher Reisebericht. Es freut mich, dass euch die Reise gefallen hat.
Die New Flamenco ist die ehemalige FLAMENCO von Festival-Cruises, welches vor etwas mehr als zwei Jahren Konkurs anmelden musste. Wir fuhren 3 mal mit der Flamenco, ein schon älteres udn kleines Schiff. Es hat uns sehr gut gefallen, da man sich auf kleinen Schiffen sofort geborgen fühlt und alles sehr familiär zugeht. Die Flamenco war unter einem anderen Namen auch einmal der Star aus der Fernseh-Serie LOVE BOAT, wenn du aber noch sehr jung bist, dann wirst du diese Serie nicht mehr kennen.