Hier ein kurzer Bericht zu unserer ersten Reise mit HAL - von Montreal nach Tampa auf der Veendam.
Wir sind bequem mit der Nachmittagsmaschine ab Nürnberg nach Paris geflogen und nach kurzen zwei Stunden weiter nach Montreal, wo wir abends kurz nach 20.00 Uhr ankamen.
Eigentlich sind wir beide keine AF-Fans, doch diesmal waren die Franzosen, was Preis und Verbindung betrifft, unschlagbar. So nahmen wir also die, wie immer, überheizten Maschinen in Kauf... Wir durften aber feststellen das der Terminal-Wechsel in CDG nicht mehr so chaotisch abläuft wie Einst und auch die bei den Franzosen immer berechtigte Sorge, sie könnten in Streik gehen, blieb unbegründet (erst zwei Tage nach unserer Rückkehr hat es mal wieder einen Streik beim Kabinen-Personal gegeben).
Die Einreise nach Kanada ging erfreulich rasch und, wie immer, super nett und freundlich – kein Vergleich zur Einreise ins südliche Nachbarland.
Das Taxi fährt zu Fixpreisen in die Innenstadt und ist somit ab zwei Personen günstiger als der Bus-Shuttle.
Wir waren im Sheraton Le Centre gebucht. Durch die späte Ankunft und durch diverse Veranstaltungen in der Stadt war leider unsere gebuchte Zimmer-Kategorie nicht mehr verfügbar. Statt mit 2 Queens wurden wir mit einem Kingsize-Bed beglückt. Naja, auch ok. Nach dem Flug will man ja eh nur ins Bett.
Also hoch in den 21. Stock, Karte in den Schlitz und nichts tat sich. Das vorbeikommende Zimmermädchen rief für uns zum Türöffnen die Security, die uns nach Kontrolle der ID die Tür öffnete und uns einen gute Nacht wünschte. Wir rein und siehe da, das Zimmer war bereits besetzt. Also den Herren von der Sicherheit nach, am Fahrstuhl abgefangen und informiert.
Da fragt man sich dann schon, ob bei so laxen Kontrollen der ID so etwas nicht öfter passieren kann (Tat es, zwei Tage später stand auf einmal ein Gast in unserem Zimmer!)
Unten an der Rezeption konnten Sie uns dann nur noch ein Queenbed für die Nacht geben. Egal, wir wollten jetzt ins Bett und am nächsten Tag sollte es dann das gewünschte Zimmer geben.
Am kommenden Morgen haben wir dann unser Programm in Montreal begonnen. Zu groß war es nicht, da wir bereits häufiger dort waren und alles Wichtige (eigentlich ja eh nicht so viel) bereits abgearbeitet hatten.
Dienstag um 10.30 Uhr machten wir uns dann auf dem Weg zum Pier um möglichst früh auf die VEENDAM zu kommen. Leider kam es aber zu größeren Verspätungen, da das Schiff erst um 10.00 Uhr in Montreal ankam. Zwischen Montreal und Quebec City gibt es nämlich eine Brücke, die Schiffe nur bei niedrigem Wasserstand unterqueren können. Das war auch der Grund, warum unsere Abfahrt von 18.00 auf 16.30 vorgezogen werden musste.
Als dann aber die „alten“ Passagiere gegen 11.30 von Bord waren, konnten wir „neuen“ in Rekordgeschwindigkeit boarden und uns einen ersten Überblick verschaffen.
In seiner Eleganz erinnert die Veendam erfreulicher Weise mehr an die RCI- und X-Schiffe, gar nicht an die neuen bzw. mittelalten NCL-„Ressorts“. Das Atrium ist leider etwas bescheiden, nicht zu vergleichen mit dem z.B. der Vision-Class bei RCI, dafür gibt es aber die sehr nette Ocean-Bar und Explorer´s Lounge, das etwas kühlere Explorations Cafe mit der angeschlossenen Bücherei und dem Internet-Cafe. Alles waren gute Plätze um es sich bei einem der günstigen Cocktails ($7,--, also knapp € 5,--) gut gehen zu lassen.
Unser Lieblingsort wurde in den folgenden Tagen allerdings die Piano-Bar, in der es allabendlich ein Singalong mit den um das Piano sitzenden Passagieren gab.
Nach einem schnellen Mittagessen im Lido (Kompliment an HAL – selten so gute Auswahl in so guter Qualität –immer frisch zubereitet - erlebt. Und vor allem ein Kompliment an das dort wirklich schwer arbeitende Team. Egal ob beim frühen Frühstück, beim Mittagessen oder sonst - die Jungs waren immer super gelaunt, freundlich und zuvorkommend) ging es in die Kabine.
Wir hatten eine Inside-Garantie gebucht und wurden auf eine Außenkabine E upgegradet. Da die Betten zusammen standen wirkte die Kabine trotz der imposanten Größe etwas beengt. Nachdem unser sehr aufmerksamer Steward YahYah die Betten getrennt hatte, bekam man genügend Platz für sich und auch genug Stauraum für die Koffer und deren Inhalt. Das Bad hatte Normgröße, war mit einer Badewanne ausgestattet und hätte sicher etwas mehr Stauraum vertragen können. Nur ein kleines Spiegelschränkchen fanden wir nicht ausreichend. Ein Unterschrank unter dem Waschbecken wäre sicher nicht verkehrt gewesen.
Sehr zu meiner Freude gab es richtige Kleiderbügel mit Haken, nicht diese seltsamen Dinger, die man in festverankerte Ringe hängen muss. Auch die kleine Karte mit der man das Obst für den täglich frischen Früchtekorb auswählen konnte und die Bademäntel fanden wir sehr nett. Am besten gefiel uns aber der Schuhputz-Service: Schuhe in den Korb und vier Stunden später kamen sie wieder blitzeblank.
Den Nachmittag haben wir dann in der kostenlosen Sauna ausklingen lassen, nachdem wir kurz überlegt hatten uns auch in die „Thermal Suites“ für $200/Paar einzumieten. Allerdings fanden wir dies dann für ein Dampfbad und warme, geflieste Stühle doch etwas zu üppig.
Beim Abendessen waren wir im „Late Seating“ um 20.30 Uhr und hatten wunschgemäß einen 2er Tisch. Unsere beiden Kellner Nijah und Hajid waren am ersten Abend noch etwas zurückhaltend, ab dem zweiten Abend aber ein perfektes Gespann, dass 7*-Service auf diesen 4,5*-Schiff bot. Vor allem Hajid war rührend um uns besorgt. Nachdem er einmal wusste, dass wir nach dem Essen gerne Earl Grey trinken, kam dieser immer unaufgefordert im Silberkännchen mit der –vorgewärmten – (Rosenthal-)Tasse. Gleiches am Morgen, wo er die Tea-Station im Lido betreute. Bis wir unser Tablett mit Essen beladen hatten, stand er schon mit unseren beiden Teetassen und den Gläsern mit frisch gepressten O-Saft bereit, um sie an unseren Tisch zu bringen.
Das Essen bot zwar sicher Standart-Kreuzfahrt-Küche, war unserer Meinung nach aber immer einen Tick besser als das der anderen Cruiselines. So gut sogar, dass wir unseren ursprünglichen Plan einmal im Pinnacle zu essen nie umsetzten konnten – jede Abendkarte las sich einfach zu lecker als das man das hätte verpassen wollen.
Der Terrace Grill hatte für den Nachmittag auch immer leckere Kleinigkeiten – die besten Hamburger auf See (wurden jeweils frisch gebraten und schwammen nicht schon seit Stunden gegart im eigenen Fett), eine super Guacamole und leckere Tacos und Hot Dogs. Die Pizzen waren allerdings als einziges übel und kamen schon matschig aus dem Ofen.
Sehr angenehm an Seetagen war auch der Dutch High Tea am Nachmittag.
Der deutsche Küchenchef machte seiner Figur alle Ehre und bewies bei verschiedenen Gelegenheiten wie der Galley-Tour oder den Kochshows im Culinary Arts Centre, durchaus Entertainer-Qualitäten.
Ansonsten gab es neben dem Casino mit einer ausreichend großen Auswahl an Tischen und Slots natürlich auch Shows. Hat der wirklich grottige Comedian des ersten Abends schlimmes erahnen lassen, wurden wir ab dem zweiten Abend eines besseren belehrt. Zwar waren schon mangels einer riesigen Bühne keine „Spectaculars“ à la NCLs „Cirque Bijou“ möglich - was aber die Kostüme der Production Shows betraf, hat HAL die Nase vorn, auch was die Tänzer und den Chorus betrifft. Die beiden Sänger-Leads waren allerdings etwas blass. Die Gastkünstler waren durchaus unterhaltend, sei es der wirklich witzige Bauchredner, der unvermeidliche Jongleur, der Zauberer oder die Jazz-Pianistin.
Auch eine nette Art den Abend zu verbringen, war Popcorn (gesalzen!!) mampfend im Kino sitzend die aktuellen Filme anzukucken. Da wir es mangels Zeit Zuhause fast nie ins Kino schaffen, haben wir diese Möglichkeit ausreichend genutzt.
CD Samantha Rye hat alles in allem einen guten Job gemacht und „Newly wed games“ etc eher selten angeboten. Täglich im Programm waren natürlich Bingo und Trivia. Wobei mich bei Letzterem doch die sehr Ami-Lastigen Fragen gestört haben. Klar, ist bei anderen Reedereien auch nicht viel besser, aber wenigstens etwas. Die vier Präsidenten vom Mt. Rushmore bekam man ja gerade noch hin, aber welcher Präsident hat die Warnhinweise auf den Zigaretten Packungen angeordnet? Wer war der erste demokratische Präsident nach Roosevelt, der zum Präsidenten wieder gewählt wurde?? Und wer war der erste Staatsfeind Nummer 1 der USA? (Den mehrfach genannte aktuelle Präsidenten lies CD Sam nicht gelten. Sie habe ausdrücklich nach dem ersten gefragt *lol*) Das wussten selbst die meisten Amis nicht, geschweige denn wir. Also diesmal keine keychains und Kappen gewonnen
Gut fanden wir auf der Veendam, die sehr seltenen und dezenten Durchsagen – ausschliesslich auf Englisch. Nur der Noon-Report des Captains und je ein kurzer Tages-Überblick morgens und nachmittags vom CD. Keine ewiges Bingo, Art-Auction etc. Gelaber in fünf Sprachen wie auf anderen Schiffen.
Daß die Passagiere einen höheren Altersdurchschnitt haben wußten wir bereits im Vorfeld. Daß dieser aber so hoch war, hat uns dann doch überrascht, ich würde mal vorsichtig 75+ sagen. Viele der Senioren waren mit Gehhilfen, Rollis und ähnlichem ausgestattet, was bei Aufzugfahrten einen leicht wahnsinnig machen konnte (unsere Rekordfahrt dauerte gestoppte 12 Minuten von Deck 4 auf 12!!)
Insgesamt waren 4 Kinder (2xGast und 2xCrew) an Bord, in unserer Alterklasse “um die 40” waren wir aber nur eine Handvoll, so daß es ein Nitelife eigentlich nicht gab. Das Crows Nest war abends ab 22.00 meist ausgestorben, im Casino wurde es ab 23.00 ruhig. Nicht weiter tragisch, wir hatten genug Bücher dabei und wie gesagt, das Kino und das Bord-TV boten auch genug Möglichkeiten für einen netten Abend.
Die Häfen Quebec, Halifax, Bar Harbor und Charleston kannten wir bereits von früheren Reisen, also verbrachten wir hier die Zeit vor allem mit einkaufen und – in Maine – Lobster essen.
In Newport waren wir zum ersten Mal. Leider war hier die Liegezeit rel. kurz und durch das Tendern blieb noch einmal weniger Zeit für die Stadtbesichtigung.
Ab Newport wurde es dann auch täglich wärmer, in Charleston war es dann schon sommerlich. Leider kam mit den höheren Temperaturen auch der Ausfall der Klimaanlage, der trotz Beschwerden erst einmal über Tage geleugnet wurde. Als sich der Kapitän dann nach drei Tagen doch endlich dazu durchringen konnte, beim Noon-Report darauf einzugehen, behauptete er frech, dass das Problem nur einen Tag bestand und nun behoben wäre. Ein glatte und dreiste Lüge, dem Ansehens eines Kapitäns eigentlich unwürdig!!! (Inzwischen ist in amerikanischen Foren auch die Rede davon, dass die ACs immer noch nicht richtig funktionieren. Bei einer Karibik-Kreuzfahrt sicher auch kein Zuckerschlecken).
In Charleston waren wir bereits bei früheren Reisen schon gewesen und konnten das Besichtigungsprogramm ausfallen lassen. Also ab mit dem Taxi zu den Tanger-Outlets und in die Einkaufsschlacht. Der $-Kurs ist einfach zu gut, um sich da zurückhalten zu können.
Anschließend gabs noch zwei Seetage bevor wir am Sonntag in Tampa ankamen. Wir kamen zügig vom Schiff runter, bekamen schnell unseren Mietwagen und waren dann bald auf dem Weg nach Ft. Lauderdale, um vor dem Heimflug ab Miami noch eine Nacht bei unseren Freunden zu verbringen.
Für uns war es trotz der alten, teilweise auch wirklich unangenehmen, Passagiere nicht die letzte Fahrt mit Holland America. Gerne wollen wir auch einmal eines der neueren Schiffe buchen oder auf einer „jüngeren“ Route wie der Karibik reisen. Obwohl wir beide nicht gerade Fans des Inselhüpfens sind, überlegen wir aktuell Anfang 2008 mit der Noordam ab NYC zu fahren. Ich kann mir aber auch sehr gut die Zaandam über unseren immer noch ausstehenden Hawai Circle vorstellen. Dann aber mit dem Wissen, sicher wieder viele Scheintote an Bord und das ein oder andere Buch extra dabei zu haben.
Bei einem sind wir uns jedenfalls beide einig. Auf keinem Schiff haben wir vorher diese Höchstmaß an Service gehabt wie auf der Veendam. Wer also bereit ist auf gute Leistung sicher nicht wenig Geld zu bezahlen, sollte auf jeden Fall einmal bei den sehr netten und immer gut informierten Damen Wiegand und Hohmann (vielen Dank noch einmal von uns an die Beiden) von Unlimited Cruises anrufen, um bei Ihnen bzw. dem Reisebüro seines Vertrauenens zu buchen.
Ein Hinweis noch am Rande: Wer „Captain Albert Weblog“ googelt, kommt auf den sehr interessanten Weblog von Captain Albert Schoonderbeek und kann unsere Reise aus seiner Sicht nachlesen.