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CruiseReviews.com    cruise-chat.com    cruise-chat.com  Hop To Forum Categories  Seereisenforum  Hop To Forums  Die Deutschen Kreuzfahrtveranstalter    Eindrücke von der Bernstein-Reise auf der MV Lili Marleen (Start: 11.06.2006)
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Moderator
Cruise Guru
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Liebe Forum-Mitglieder,

egal was einem auf der Jungfernfahrt oder später passiert ist - Jeder tut mir leid, dem so etwas widerfährt -

aber im Moment haben wir strahlenden Sonnenschein und eine tolle Crew, die einen auf Händen trägt. Und diese Crew hat es verdient, dass sie sich auch "normalen" Umständen, beweisen kann.

Auch wenn ich noch nicht einmal 24 Stunden an Bord bin und mich als First-Time-Kreuzfahrer oute.

Ich bin froh, dass viele Meinungen, dazu beigetragen haben, dass ich mich wirklich auf die Reise freue und genieße.

Diejenigen, die gebucht haben, können sich auch schon freuen.

Wenn es so weitergeht, wird die Reise ein voller Erfolg.

Es gibt so Details, die unschön sind und die 30 Jahre auf dem Buckel schon zeigen. Aber ich kenne auf Land viele Hotels, die mehr Sterne haben, bei denen ich ohne Vollpension mehr zahle und weitaus mieser sind!

Ich muss jetzt auf meiner ersten Station in Visby raus. Sobald wir mal irgendwo UMTS haben, werden wir auch die ersten Bilder einspielen.

Bis dahin genießen wir das Leben an Bord.

Herzliche Grüße aus Visby.
HeinBloed
 
Posts: 2632 | Location: In the heart of Europe: Germany... | Registered: May 23, 2006Edit or Delete MessageReport This Post
Experienced Cruiser
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Hallo HeinBloed,
vielen Dank für Deinen ersten, positiven Bericht. Es freut mich aufrichtig für Dich, das Schiff und die Reederei/Veranstalter, dass es Dir an Bord so gefällt. Weiterhin eine schöne Zeit.
Viele Grüße
Klaus
Ps: In die Anrede HeinBloed zu schreiben find ich irgendwie blöd, aber ich kenne nicht Deinen richtigen Namen.
 
Posts: 195 | Registered: February 28, 2005Edit or Delete MessageReport This Post
Cruiser
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hallo,
ist ja super heinbloed das du einen reisebericht für uns machst.heute in 5 wochen sind wir auch auf der lili und wir freuen uns schon sehr. bitte weitermachen und auch bilder einstellen.
eine frage am rande ,wer schützt rederreien eigendlich wenn ihnen durch vieleicht übertriebene schilderungen in reiseberichten nachteile entstehen ? auch wir waren im januar verunsichert .aber jetzt freuen wir uns um so mehr auf 2 wochen lili marlen mit holiday kreuzfahrten
 
Posts: 21 | Location: Dresden | Registered: May 08, 2003Edit or Delete MessageReport This Post
Cruise Guru
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quote:
Originally posted by Diana:
eine frage am rande ,wer schützt rederreien eigendlich wenn ihnen durch vieleicht übertriebene schilderungen in reiseberichten nachteile entstehen ? auch wir waren im januar verunsichert .aber jetzt freuen wir uns um so mehr auf 2 wochen lili marlen mit holiday kreuzfahrten


Hallo Diana,

eine sehr interessante "Frage am Rande": Niemand "schützt" sie, wir sind ein nicht- kommerzielles Forum, das glücklicherweise keinen geschäftlichen Interessen unterworfen ist. Die Reedereien schützen sich am besten selbst, indem sie eine gute Leistung für ihr Geld abliefern.

Und dann liegt es natürlich an uns "Berichtenden", fair zu sein Smile- das, was gut war, zu loben, und das, was schlecht war, zu tadeln- aber bitte immer konstruktiv. Ich denke, fast alle Reiseberichte hier sind auch so, und sollte es mal unfair werden, kann man das "zwischen den Zeilen" auch lesen. Das manchmal persönlicher Geschmack ein Reiseerlebnis postiv oder negativ beeinflussen kann, liegt in der Natur der Sache.

Ich denke, jener Bericht über die "Lili Marleen" damals war sehr gut, anschaulich und glaubwürdig, da er von einem sehr erfahrenen Cruiser stammt. Gerade bei "Jungfernfahrten" eines lange aufliegenden, älteren Schiffes, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, das Pannen passieren- aber dann ist eben auch die Möglichkeit groß, das dieser Zustand nur vorübergehend ist.

Sollen deshalb die Reedereien rechtlich verbindlich verbieten können, das zahlende Passagiere über das Erlebte anschließend berichten können? Das wäre das Ende des mündigen Kunden Eek.

Ganz Klasse finde ich die Eingangsformulierung eines jüngst im "Ruderhaus" veröffentichten Reiseberichts von einem sehr geschätzten Forenmitglied. Sie lautete sinngemäß: "Die kurzfristig gebuchte Kreuzfahrt sollte auf dem für mich ...ältesten und ...kleinsten Schiff stattfinden. Entsprechend niedrig waren meine Erwartungen". Und das ist das Entscheidende an einem guten Reisebericht: Wie war die individuelle Erwartung, und wurde sie erfüllt? Wenn man das fair beurteilt, sollte keine Reederei unberechtigte Kritik fürchten müssen.

Also, Reiseberichte schreiben ThumbUp !!!

@ Hein und Klaus: Mit HeinBloed als Nick ist doch sicher die lustige Schiffsratte gemeint, die bei Käpt'n Blaubär den Leichtmatrosen macht, oder? Finde ich sehr witzig, den Nick Big Grin.

Viele Grüsse, CP
 
Posts: 1382 | Location: Ulm (Donau), Germany | Registered: May 18, 2005Edit or Delete MessageReport This Post
Cruise Guru
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quote:
Mit HeinBloed als Nick ist doch sicher die lustige Schiffsratte gemeint, die bei Käpt'n Blaubär den Leichtmatrosen macht, oder?


Hallo
es ist doch auch gut, wenn man über sich selbst lachen kann, was viele verlernt haben. Ein Nick kann aber auch ein Schutz sein, also lasst ihn, den Leichtmatrosen, Hein Bloed heißen.
Viele Grüße
Gerd
 
Posts: 2425 | Location: Hamburg | Registered: June 21, 2002Edit or Delete MessageReport This Post
Serious Cruiser
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Hallo HeinBloed!

Aufgrund Deines Berichtes freue ich mich schon auf meine Nordlicht- und Bernstein-Reise vom 30.07.06 bis 13.08.06. Ich kann mich nur ausnahmslos den Ausführungen von Crown Prince anschliessen. Bereits die geposteten Bilder haben schon gezeigt, dass es nicht schlimm sein kann.

Ich wünsche noch eine angenehme und erholsame Kreuzfahrt.

Friedl
 
Posts: 33 | Registered: May 02, 2006Edit or Delete MessageReport This Post
Experienced Cruiser
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Hallo CP und Gerd,
natürlich kann sich HeinBloed HeinBloed nennen, hab ich auch nichts dagegen. Ich weiß auch, dass er der ( blöde ) Kumpel vom Käptn Blaubär ist, trotzdem fällt mir es irgendwie schwer, die Anrede über die Tastatur zu bringen. Also lassen wir das Thema und wenden uns wieder der Lili zu.
Liebe Grüße
Klaus
 
Posts: 195 | Registered: February 28, 2005Edit or Delete MessageReport This Post
Moderator
Cruise Guru
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Ich bin doch nicht blöd - Mann!

Lasst mich mal auf meiner Reise die Schiffsratte von Käpt'n Blaubär.

Blöd ist er nämlich nicht - nur er sieht viele Sache aus einem anderen Blickwinkel. Und manchmal ist es schade, dass viele von uns diesen Blickwinkel verloren oder abgelegt haben, weil sonst die Welt bestimmt schöner und besser vielleicht wäre, wenn man nicht alles so verbissen sehen würde.

Vor allem eines: Er bringt mich manchmal mit seinen Reaktionen zum Lachen, auch wenn mir nicht danach ist. Deswegen liebe ich ihn.

Nur so lässt in meinem realen Leben das eine ohne andere besser Ertragen.

In diesem Sinne:

Alles im Lot auf Boot
alles in Butter auf dem Kutter...

Gruss aus Tallinn
HeinBloed
 
Posts: 2632 | Location: In the heart of Europe: Germany... | Registered: May 23, 2006Edit or Delete MessageReport This Post
Moderator
Cruise Guru
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Hallo Diana,

ich glaube nicht, dass die Schilderungen überzogen waren und dass die Vorkommnisse nach der Inbetriebnahme der Lili Marleen es durchaus gab und möglicherweise auch Situationen eskaliert sind. Aber das war wohl eine einmalige Sache, mit der damals die Crew in einer Extremsituation überfordert war. Sie ist sicherlich für heutige Verhältnisse nicht mehr repräsentativ. Und glaube mir: deine Verunsicherung vor Antritt der Fahrt habe ich geteilt. Nur dank der Hilfe vieler Forumsmitglieder überwunden, die mich echt ermuntert haben, trotzdem zu fahren und nicht die Reiserücktrittsversicherung unter einem Vorwand greifen zu lassen. Vor allem Dank der DVD von Gerd (shiplover 2002).

Man geht hier an Bord mit der Kritik hier im Forum von damals sehr offensiv um. Am 1. Abend fand eine Vorstellungsrunde statt und da wurden die Probleme, die es mit Mona Lisa im letzten Jahr gab und dann mit der Jungfernfahrt der Lili Marleen, geschildert. Auch bestätigten mir Reiseleiter in persönlichen Gesprächen, dass es für sie auch eine Qual war und es wird nichts abgestritten oder beschönigt. Nur mache Szenen, die im Internet beschrieben wurden, liefen aber auch nicht so ab – Da gibt es sicherlich mehrere Sichtweisen.

Wenn man die Bilder von QM2 oder aus der ZDF-Serie oder Love Boat sieht und das hier erwartet: hier geht es so nicht zu und das sieht hier auch nicht so aus.

30 Jahre lassen sich nicht verleugnen und das sieht man.

Wenn du Zeit hast, dich lange in der Kabine aufzuhalten, kannst du sicherlich die angerosteten Stellen an den Kleiderbügel nachzählen, du kannst dich im Bad wundern, warum das nicht aussieht, wie in einer GROHE-Bad-Ausstellung, du kannst ja versuchen die Austrittstellen der Klimaanlage der Decke abzuschlecken, um die Decke zu weißen usw. usw. Aber eigentlich sind es wirklich nur Schönheitsfehler – die Klimaanlage läuft wie eine 30 Jahre alte Klimaanlage nun mal läuft – natürlich würde ich mir lieber individuell die Temperatur und den Luftzug einstellen. An den Armaturen hilft auch keine 100%-ige Konzentration von Essigsäure nicht mehr, aber das Wasser läuft – sowohl kalt als auch warm. Es kommt genügend Wasser aus der WC-Spülung und wenn ich den Kleiderschrank zumache, sehe ich die Roststellen auch nicht mehr. Vor 30 Jahren wurde so etwas eben nicht noch heißverzinkt. Auch hast du keinen Massageduschkopf, den du persönlich umstellen kannst, um den Wasserstrahl zu regulieren. Und falls du einen Ein-Hand-Mischer hast: Fahr zu deiner Oma und lerne nochmals, ob man zunächst Kalt oder Heiß andrehen sollte, um seine optimale Temperatur zu erhalten. Und wie in jedem Hotel: wenn alle gleichzeitig duschen gibt es nun einmal Wasserdruck- und Temperaturschwankungen – allerdings in einem sehr tolerierbaren Bereich.

Es war eben eine griechische Reederei vorher, die vorher versucht hat es zu renovieren und das merkt man. Mikis Zemenditis, Janis Komplizis und Retisina waren hier am Werk nachdem sie die Olympischen Spiele in Athen in die Wege gebracht haben und so sieht es auch aus. Aber im Inter-Continental in Athen sah es genauso aus und an manchen Ecken fragt man sich, muss den alles so aussehen, wie auf der Akropolis??? Das Schiff wurde eben nicht bei Blohm + Voss oder bei Meyer in Papenburg renoviert.

Was aber wichtig ist: Die Leute hier an Bord tun hier alles, um dich glücklich zu machen. Vor allem es geht hier sehr familiär zu und das sieht man auch am Umgang untereinander.

Auch mit Tipps, mit denen sie sich selbst „schaden“, wie z. B. keine Bord-Telefonkarte zu kaufen, sondern lieber dein Handy zu nutzen – jedoch nicht in St. Petersburg.

Rezeption: Es wurde alles aufgeschrieben und das funktionsbezogen, so dass jeder der etwas erledigen kann, sofort die Aufgabenstellung erhält. Als wir wenig später von der Rettungsübung gekommen sind, wurde schon vieles erledigt.

Reisebüro: Sie tun alles, dass wir St. Petersburg kurz Gelegenheit haben, mit einer Freundin eine Tasse Kaffee zu trinken, obwohl wir kein Visum haben und mit einer Gruppe unterwegs sind.

Restaurant: Sag denen was du willst – solange du nicht erwartest, dass sie ihren Arm für dich abhacken sollen, erfüllen sie dir jeden Wunsch und holen die dir eine 2. Portion oder was auch immer. Z. B. Grüner Tee. Sie sprechen sich mit Diabetikern und sonstigen Leuten mit Speisevorschriften ab, um Lösungen zu finden.

Das Essen ist im Großen und Ganzen auch in Ordnung. Du bekommst fünf Gänge, in denen du in der Stadt durchaus 20-30 EUR dafür hinblätterst. Die Portionen sind kleiner, aber sie machen als vollständiges Menü satt. Ansonsten kannst du dir ja noch am Salat-, Obst- und Käsebüffet etwas nachholen. Und das mittags und abends!!! Beim Frühstück steht dir nicht nur das Büffet zur Verfügung, du kannst auch darum bitten, dir frisch Eier braten zu lassen oder ein Bircher Müsli. Ganz ehrlich: nur auf die Schnittchen als Snacks könnte ich bequem verzichten. Da vermisse ich eine gewisse Hingabe bei der Kreation. (Allerdings ist die „Show“ der Leute, die extra ihren Wecker stellen um aufzustehen, um sich um ein Mitternachtssnack holen, unbezahlbar gut.) Auch wenn du einen sautierten Loup de Mer gefüllt mit einer Farce aus Neu-England-Hummer und St. Jacques angerichtet auf einer Calvados-Trüffeljus erwartest, bist du hier verkehrt. Der Hauptgang ist hier einen Tick besser als gut-bürgerlich aber eher Stadtniveau als Landgasthaus. Aber auch regional (z. B. Bigos im Hinblick auf Polen) wird hier etwas geboten. Ein Hauptgang ist vegetarisch. Allerdings die Vorspeisen und der Zwischengang sind eindeutig einer Stufe höher anzusiedeln. Pochierte Hechtklößchen kann man sicherlich nicht als gut-bürgerlich bezeichnen. Die sollte man keinesfalls verpassen! Ist sowieso mehr ein Amuse Geule. Convenience wird zwar auch eingesetzt, aber vieles ist doch direkt an Bord frisch zubereitet. Auf jeden Fall weitaus weniger, als ich es von manchen Restaurants auf dem Festland, die z. T. keine Köche mehr ausbilden dürfen, gewohnt bin. Der Chefkoch ist ein Badener und das merkt man auch an der Karte: z. B. Flädle-Suppe: Entweder sie haben eine tolle Maschine, die die Pfannkuchenstreifen perfekt unregelmäßig schneidet, so dass sie handgeschnitten wirken oder ein philippinischer Jungkoch schneidet sie per Hand tatsächlich sehr unregelmäßig. Die fertigen von Bürger sehen anders aus und schmecken künstlich aufgeblasen und aufgeschäumt. Das Non Plus Ultra wäre jetzt natürlich noch Bruchsaler oder Schwetzinger Spargel... (Mal gucken, ob das einer in der Zentrale liest und jetzt nach Helsinki etwas einfliegen lässt. Zutrauen würde ich es denen!).

Gegensätzlich ist auch die Atmosphäre beim Essen drinnen und draußen. Ich habe mir mal einen Picknick-Korb mit Kunststoffgeschirr gekauft, den ich noch nie benutzt habe. Seit dem ich einmal hier an Deck draußen gegessen habe, weiss ich was das für ein Gefühl ist, daraus zu essen – während drinnen auf ganz tollen Rosenthal-Platztellern mit Schiffsmotiven serviert wird, die man am liebsten klauen würde.

Nochmals zurück zum Service. Ich sitze an einem Tisch an dem ich einem Kellner und seinem Hilfskellner von der Nachbarstation beobachten kann: Michal und Gregorius. Es macht einfach Spaß den beiden bei der Arbeit zuzugucken. Die haben ihre Augen überall. Du könntest Wasser und Brot bekommen und ich stelle mir vor, so wie sie dich bedienen, wärst du schon zufrieden, weil du das Gefühl hättest in einem Restaurant mit drei Guide Michelin Sternen zu sein. Unsere Kellner sind sicherlich genauso nett und wir werden alle auch sehr gut bedient – aber bei den beiden ist es einfach die Nuance, die den Unterschied macht.

Und vor allem unsere Perle Maya – unsere Stewardess. Während wir abends essen, sorgt sie nochmals dafür, dass unsere Kabine im Rahmen ihrer Möglichkeiten top in Schuss ist und wir uns wohl fühlen. Es ist alles blitz blank sauber.

Vieles hängt auch von den anderen Passagieren ab. Es gab bislang nur eine, die auffällt und schon zwischen Warnemünde und Visby aussteigen wollte und daraus ein öffentliches griechisches Drama macht. Heute auf der Tour in Visby gab es auch ein paar „Doofe“, denen man es auch nicht Recht machen konnte. Es ist nun einmal 25°C – und da muss man Leuten auch eingestehen, dass sie sich eine Flasche Wasser kaufen wollen und dafür drei Minuten länger brauchen, weil im Supermarkt alle Wasser wollen. Selbst unser Reiseleiter hat sich ein Eis geholt. Aber solchen Leuten muss man eben sofort die Meinung sagen, dass das so nicht geht… es könnte ja sein, dass der Kaffee und Kuchen zwischenzeitlich alle ist… Sollen sie doch einen Kreislaufkollaps kriegen und zusammenbrechen. Ich kann es ja verstehen, wenn es kurz vor Abfahrt ist und die Lage ernst wird, aber 2 ½ Stunden davor???

Mit den Touren werden wir eben nicht mehr mitgehen, weil wir keine Lust mehr haben, ständig auf andere zu warten, um uns die Nörgeleien anzuhören. Aber das kann eben auch jeder selbst gestalten, da nicht mehr getendert wird und du einfach selbst den Landgang gestalten kannst. Auch denen, die nichts buchen, wird ein Stadtplan und Infos mitgegeben. Sie werden nicht diskriminiert, wenn sie keinen Umsatz machen. Das gilt hier an Bord aber auch für jedes Geschlecht, Religion oder ethnische Minderheit. Darauf legt man auch ÖFFENTLICH sehr großen Wert, dass niemand diskriminiert oder herabgesetzt wird.

Die meisten Passagiere sind wohl von der Musikrichtung her Freunde von MDR 1/WDR 4/HR 4/SWR 4. Wenn du MDR Sputnik, MDR Life, SWR 3-Fan bist, solltest du dir mit Hilfe eines MP 3-Players dein eigenes Bordprogramm mitbringen. Dementsprechend geht es auf den Ausflügen und in den Restaurants zu. Uns (38 und 40) hat man von der Reiseleitung gesagt: „Huch – Sie drücken ja den Altersdurchschnitt um 20 Jahre nach unten…“.

Auch ist es jetzt während der Fussball-WM sehr ärgerlich, dass sie ARD und ZDF ausgerechnet vom Hotbird statt Astra anzapfen und so das Programm nicht empfangbar ist. Aber sie improvisieren. Klingt zwar wie „Nix versteh’n in Athen“, aber sie zucken eben nicht einfach die Schultern und lassen nichts unversucht, um die Gäste glücklich zu machen.

Im Kino werden die Sachen gezeigt, die gerade in den DVD-Verkauf und auf Premiere Direkt kommen. Allerdings halt nur von Sony Pictures. D. h. wenn du ausgerechnet Brokeback Mountains an Bord sehen willst, hast du Pech gehabt. Und die Shows: nett – im Rahmen der technischen Möglichkeiten eines Kreuzfahrtschiffes und angepasst an das Publikum. Nun ist La Cage aux Folles ausgerechnet mein Lieblingsmusical, das ich 17 Mal im Theater des Westens in Berlin gesehen habe. Aber die Showbühne auf der Lili Marleen ist eben nicht das Theater des Westens mit der großen Showtreppe, Requisiten, Wechselbühne und den Lichteffekten! Und auch die Interpretation mag sicherlich sehr heterosexuell gestaltet worden sein, damit die alten Leute bei den Transvestiten nicht von den Sesseln kippen und wiederbelebt werden müssen. Sicherlich ist auch die Präsentation des Conferenciers eine sehr persönliche Geschmacksfrage, aber jeder einzelne Künstler, der sich diesem Publikum stellt, hat den höchsten Respekt für seine Leistung verdient. Und wenn der Conferencier nicht ständig erwähnen würde, dass eine Künstlerin aus Rumänien kommt und man würde die Augen schließen: Ich wüsste nicht, ob es die Mutter Judy Garland oder die Tochter Lisa Minelli doch war, die auf der Bühne stand und „Come and sing“ gesungen hatte. Auch sollte man angesichts der Deckenhöhe einfach nicht erwarten, dass im wahrsten Sinne des Wortes Riesenluftsprünge mit rekordverdächtigen Hebefiguren möglich sind. Wer die Celine Dion-Show wie in Las Vegas erwartet ist hier schlicht und einfach auf dem falschen Schiff. Nur der Unterhaltungswert ist genauso vorhanden!

Draußen werden alle Liegestühle abgewischt bevor sie aufgestellt werden. Deswegen bist du es selbst schuld, wenn du früh kommst, um dich über einen dreckigen Liegestuhl aufzuregen. Du kannst in die Pools und in die Sauna – es sind auch Leute tatsächlich drin.

Die Touren sind super organisiert – wenn entsprechend teuer. Wie auch die Dienstleistungen aus dem Wellness- und Beauty-Bereich, der Wäscherei oder Fotografie. Aber dafür sind die Getränke billiger als auf dem Land. Wo bekommst du noch in einem Restaurant noch 1 l Wasser für 2,50 EUR oder alkoholfreie Cocktails für 2,90 EUR? Nervig sind allerdings die Fotografen, zumal du für ein 13x18 Bild 4,90 EUR berappen sollst. Allerdings im Vergleich zu Elvis’ Graceland in Memphis war dieses noch „Schnäppchen“, wo man 25 USD von mir wollte. Und wenn man auf eigene Bilder mit Rettungsweste in einem Rettungsring gerahmt steht, dann ist man hier im richtigen Souvenirshop angekommen.

Was mich im Moment etwas stört: Ich dusche nicht gerne mit Seife sondern habe lieber einen Wandspender mit Duschgel. Aber deswegen mir den Urlaub vermiesen zu lassen? Auch würde ich vielleicht das nächste Mal zu IKEA vorher fahren und für 3,95 EUR einen persönlichen Duschvorhang kaufen, weil er mir besser gefällt und keine Gebrauchsspuren aufweist. Ein Duschvorhang sieht eben im Laufe der Zeit nicht mehr schön aus.

In Tallinn werden wir sicherlich Gelegenheit haben, eine Flasche Duschgel zu kaufen… und schon ist die Sache wieder in meinen Augen wieder in Ordnung.

Ich will jetzt nicht alles schön reden – aber im Moment spielt das Wetter mit, damit wir uns eben nicht so in der Kabine hocken und uns angucken, was nicht schön aussieht.

Auch würde ich mich das nächste auf meine „erste“ Kreuzfahrt mit diesem Schiff wie folgt vorbereiten: ich würde mir in einem berühmt-berüchtigten Flensburger Versandhaus einige Vibratoren bestellen, die ich mir auf meinem Rücken schnalle, um mich an das Gefühl zu gewöhnen, das du immer haben wirst, solange der Schiffsmotor in einem Hafen nicht abgestellt wurde. Und ich würde jetzt die Chance nutzen, in meiner Apotheke mehrere Sorten Ohrstöpseln zu bestellen, um allen durchzutesten, mit welchen man am besten schläft. Sicherheitshalber bringe noch einen Gummihammer mit, um dich ggfls. bei deinen Kabinennachbarn schmerzfrei auf dich aufmerksam zu machen. Unsere stellen wohl, sobald sie im Zimmer sind, ihre Hörgeräte ab, und dann kommen wir uns so vor wie im Komödiantenstadl. Wenn ich es vorher gewusst hätte, hätte ich noch ein paar Mini-Batterien mit, um sie zu bitten, ihre Geräte 24 Stunden am Tag auf Betrieb zu schalten. Aber von der anderen Seite bekommen wir beispielsweise gar nichts mit. Und da ich früher in einem Versandhandel gearbeitet habe und weiss, wie es dort zugeht, würde ich mir ein paar Matratzen zum Pier in Warnemünde bestellen, um die alle mit an Bord zu nehmen, weil ich dann vielleicht auf meiner mir angenehmen Matratze schlafen könnte, um sie nach der Kreuzfahrt wieder zurückzuschicken. Aber letztendlich ist es wie in jedem Hotel: Es schläft sich eben niemals so gut, wie auf der gewohnten zu Hause! Und wenn du es total dunkel magst, dann würde ich mir auf jeden Fall einen Innenkabine bestellen und gucken, dass du vom letzten Winter die „Schlange“, mit denen man Türen gegen Zugluft (oder Schiffsluft in diesem Fall) provisorisch abdichtet, mitnehmen solltest, um sie vor die Kabinentür abzulegen. Oder versuche einfach mit ein wenig Licht einzuschlafen. Etwas ist allerdings von der alten Eignerin CUNARD abgeguckt: Die amerikanischen Sandwich-Decken, d. h. Wolldecken, die nur auf der Unterseite mit einem Laken getrennt werden. Ich habe persönlich einen sehr unruhigen Schlaf und hasse die Dinger. Vielleicht würde ich mir das nächste Mal meinen persönlichen Schlafsack mitbringen. Auch würde ich probehalber die Betten zu Hause gegen die Wandstellen und Einzelbetten daraus machen – So kannst du dich schon mal an das Gefühl gewöhnen, dich im Schlaf umzudrehen und entweder aus dem Bett zu fallen oder eben die Wand zu küssen. Deswegen darf man hier auch nicht ein fahrendes Sanatorium erwarten, wo du mit einer Friedhofsruhe schlafen kannst. Vielleicht gibt es ja andere Schiffe, auf denen dich dein persönliches Matratzen- und Ohrstöpselmenü im Zimmer erwartet – aber ich denke, dass du auch bestimmt einen anderen Preis zahlst als hier.

Dafür hast du eben den Vorteil gegenüber einer Busrundreise: Du musst nicht jeden Tag deinen Koffer neu ein- und wieder auspacken und bist jeden Abend in einem anderen Hotel, in dem du dich neu zurecht finden muss. Das ging mir irgendwann auch auf die Nerven.

Du siehst: ich denke, dass auch die Intensität und die Art der vielen geschilderten Probleme, von jedem anders wahrgenommen wird. Mit Sicherheit wirst du noch Sachen entdecken, die ich gar nicht für mich als Problem wahrgenommen habe. Aber auch deine Tipps in fünf Wochen werden wiederum anderen helfen, sich besser auf die Reise vorzubereiten und einzustellen. Und das macht es für die anderen dann noch perfekter. Es hängt einfach von dir selbst ab, ob du dich anstecken lässt oder ob du nicht sagst: die Kleiderbügel im Kleiderschrank sind eigentlich nur Mittel zum Zweck und was soll es, wie es aussieht, Hauptsache dein Jacket hängt und du hast genug Platz für zwei Koffer!!!

Persönlicher Tipp noch: Fön und Dreifachsteckdose nicht vergessen!!!

Und ich wünsche dir das Wetter, das wir im Moment haben: 24°C bis Samstag in Danzig 19°C ohne Regen hoffentlich und glaube mir: Es wird traumhaft schön, wenn die restlichen sechs Tage so werden, wie die ersten 24 Stunden. Und spätestens dann, wenn dich Landratte die Seeluft, die Landausflüge und die Bordaktivitäten sowieso kaputtgemacht gemacht haben und das Kabinenlicht ausgeschaltet hast, dann siehst du gar nichts mehr und merkst nichts mehr von den Problemen, die über die Jungfernfahrt beschrieben wurden.

Zumindest geht es mir im Moment so!

Grüße aus Visby.
Bis dann in Tallinn
HeinBloed
 
Posts: 2632 | Location: In the heart of Europe: Germany... | Registered: May 23, 2006Edit or Delete MessageReport This Post
Cruise Commodore
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Hallo HeinBloed,

na, da bin ich ja schon auf Deine weiteren Eindrücke gespannt. Big Grin


Best regards,

Raoul Fiebig
 
Posts: 8346 | Location: Paderborn, Germany | Registered: June 07, 2002Edit or Delete MessageReport This Post
Cruise Guru
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Hallo HeinBlöd,

ich sag nur ein Wort: WOW!!!

Bin gespannt auf deinen Bereicht, wenn du zurück kommst, obwohl du ja hier schon alles in einer sehr amüsanten Art erzählt hast.

Wünsche dir noch schöne Tage und freue mich auf deinen Komplettbericht, den du hoffentlich verfassen wirst. Obwohl ich mir da eigentlich sicher bin, nach dem obigen Bericht von heute. Und ich dachte immer, nur CP und ich schreiben ausführlich.

Viele Grüße nach Tallin, tolle Stadt!!!

Marita




 
Posts: 1729 | Location: Wuppertal, Germany | Registered: January 21, 2005Edit or Delete MessageReport This Post
Cruise Guru
Picture of ferrycruiser
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Moin HeinBloed,

für den Bericht gibt's von mir 5 *****! Ich bin ganz deiner Meinung - alles Einstellungssache. Und wenn ich Mängel suche, finde ich auch welche, das ist ganz klar. Wenn ich mir diese Arbeit spare, kann ich den Urlaub wunderbar genießen. Smile
In diesem Sinne: Immer eine Handbreit Wasser unter'm Kiel!

Ahoi,


Marc



 
Posts: 1469 | Location: Mainz/Rhein | Registered: August 25, 2004Edit or Delete MessageReport This Post
Cruiser
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hallo hein
eigentlich haben wir alles so erwartet wie du es schreibst und auch deshalb bewust die lili gebucht. wir hatten keine lust mehr auf den aida mit 20jährigen flitterwöchnern zu fahren !auf der amadea vor zwei wochen gag es auch lezte die an allem meckerten .für uns gab es da nichts auszusetzen !!
fazit:ALT MUSS JA NICHT SCHLECHTER SEIN
wir betreiben seit über 100 jahren mit unserer famiele ein historiches gasthaus in dem manches auch nicht immer auf dem stand von 2006 sein kann aber ich glaube das macht auch den flair unseres hauses aus . allso lili marlen wir sehen uns bald und freuen uns auf dich und deine besatzung
viele grüsse aus dem www.gasthaus-wermelskirchen.de in bensberg
diana udo und sohn niklas
 
Posts: 21 | Location: Dresden | Registered: May 08, 2003Edit or Delete MessageReport This Post
Experienced Cruiser
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Hallo HeinBloed
Danke für Deinen erfrischenden ehrlichen Bericht.
Ich freue mich, daß Du Deine Kreuzfahrt, so wie sie ist, genießt.
Ich wünsche Dir noch eine schöne Reise.
Gruß
Ludwig


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Posts: 269 | Location: Darmstadt | Registered: February 25, 2006Edit or Delete MessageReport This Post
Master Cruiser
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Hej HeinBegabt,

danke für diesen wunderbaren Bericht! Du scheinst das Glas sogar 3/4 voll zu sehen und zeigst, dass man mit Humor vieles ausgleichen kann.

Ich habe beim Lesen so laut gelacht, dass mein Fußball guckender Lebensabschnittsgefährte ganz verwundert nachfragte, was denn so lustig wäre. Big Grin

Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß und mir, dass Du vielleicht auch noch was über die Häfen schreibst (die werde ich nämlich in Bälde ebenfalls besuchen).

Liebe Grüße
Susanne


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Posts: 638 | Registered: August 03, 2005Edit or Delete MessageReport This Post
Moderator
Cruise Guru
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Godmorgen till Göteborg!!!

Herzliche Grüße von der Lili Marleen zwischen St. Petersburg und Helsinki.

Vielen Dank zunächst für die Kommentare. Wir genießen in der Tat unsere Reise.

Die Halbzeit liegt ja schon hinter uns und wir sind ja wieder zurück gen Westen. Im Moment gibt es leider immer noch nichts Beklagenswertes – oder zumindest hätten wir große Schwierigkeiten damit vor einem ordentlichen deutschen Gericht durchzukommen. Nun bin ich enttäuscht. Wozu zahle ich all die Jahre für eine Rechtsschutzversicherung, die ich jetzt schon wieder nicht in Anspruch nehmen kann? Dieses verdammte Personal an Bord – warum muss es so verdammt gut sein?

Gut gehen wir im Gedanken zunächst zurück nach Visby auf Gotland.

Jeder, der die Absicht hat, sich umzubringen ist hier bestens auf der Tour durch Visby aufgehoben. Nur mit der Tour kommt man nämlich zum Galgenberg, der einen schönen Ausblick auf die Gegend bietet. Allerdings nur für Männer, wie wir gelernt haben. Frauen hatten wohl im Mittelalter nicht so schöne Ausblicke auf die Landschaft. Die Touren sind sehr professionell gestaltet. Jeder der gotländischen Tourguides schleppt einen Mini-Lautsprecher mit, damit die besser verstanden werden. Unverständlich wie bereits beschrieben: manche Reaktionen innerhalb der Gruppe, wenn eben bei 25°C jemand schnell eine Flasche Wasser holen möchte. Aber verständlich bei deutschen Vollpensions-Pauschalreisenden: Kaffee und Kuchen gibt es eben nur bis zu einer bestimmten Zeit und wenn man jetzt drei Minuten später kommt, dann sind eben schon ein paar Schnittchen weniger da, über die man sich stürzen kann.

Da nur ein Ausflug angeboten wird: der Galgenberg liegt etwas außerhalb – ansonsten wäre alles fußläufig erreichbar. Entgegen des Programms: getendert wurde nicht und in 10 Minuten war man in der Stadt. Lohnt sich auf jeden Fall – egal ob geführt oder selbst entdeckt.

Der nächste Tag führte uns (persönlich) zum ersten Mal ins Baltikum – nach Tallinn. Hier hatten wir uns nicht einer Gruppe angeschlossen, sondern eine persönliche Fremdenführerin gebucht. Es war sehr angenehm zwischendurch Kaffee zu trinken und keine Rücksicht auf die anderen nehmen zu müssen. Interessant war die Stimmung an diesem Tag in der Stadt: Es fand das einzige nordeuropäische METALLICA-Konzert statt, deswegen war die Stadt entsprechend „schwarz“. Überall nur junge Menschen, die aber auch ihrem Kulturtrieb nachgingen, bevor das Konzert losging. Die Altstadt ist wirklich sehenswert. Vor allem der Umgang mit einander. Wenn man vor das Parlamentsgebäude in Washington DC geht, um von der gegenüberliegenden russisch-orthodoxen Kathedrale ein Bild zu machen, wäre man als potentieller Terrorist verhaftet worden. Hier sitzt ein gelangweilter Polizist im Streifenwagen und liest weiter die Zeitung. Auch alle Botschaften in wunderschönen Hanse- oder Gildenhäuser waren ziemlich unbewacht. Wenn man auf schönes Handwerk steht, z. B. Norwegerpullis usw. ist man hier ziemlich richtig in dieser Stadt. Allerdings sollte man sich auf jeden Fall vielleicht mit dem Schuhwerk aufpassen, da alles eben historisch wirkt, inkl. Kopfsteinpflaster, allerdings nicht unbedingt DIN-genormt!!! Ein Tipp für die älteren und leidenden von uns: Ein Paradies für alle Medikamentenfans. Abgesehen von der ältesten Apotheke in Europa – ein Preisparadies für Selbstmedikation: z. B. Ibuprofen 400 10 Stück für weniger als 1,50 EUR aus russischer Produktion. Der Giraffe aus dem Film „Madagaskar“ kann ich nur empfehlen nach Estland statt nach Kanada auszuwandern: Das hier ist das Paradies für Hipochondras (?) und solche, die es preisgünstig werden wollen. Wer auf KIK oder ähnliche Läden steht, sollte auf jeden mit leeren Koffern anreisen. Bereits innerhalb der ersten 20 m nach Ankunft am Terminal kann man gegenüber am Fährterminal sich für die nächsten Wochen spottgünstig eindecken. Auch für Tallinn gilt: selbst oder geführt – auf jeden Fall nicht an Bord bleiben.

Am Abend gab es dann die Musical-Show. Man merkt auf jeden Fall die tollen Bemühungen der Künstler ein deutschsprachiges Programm zu gestalten und es sind absolute Akustikkünstler: Beispiel: die deutschsprachige Fassung von „Das Phantom der Oper“ wird von der Deutsch-Kanadierin Anne-Katrin (???) Kauffmann gesungen und dementsprechend singt die Sängerin an Bord es akzentfrei nach. Nun wird aber die deutschsprachige Fassung von „Les Miserables“ von einer Engländerin gesungen, wenn ich es richtig in Erinnerung hat – und daher wird das Stück in Deutsch mit englischem Akzent gesungen. Ich habe innerlich darüber schmunzeln müssen. Eben nicht Broadway, Westend oder Neue Flora – aber auf jeden Fall Wert sich die Zeit zu nehmen und zuzuhören. Falls jemand von Euch „Ödipussi“ zu Hause auf DVD hat: Bringt sie mit auf die Reise und übergebt sie Andrej, dem Kreuzfahrtdirektor: Er sucht deutschsprachige Texte und Auftritte zu englischsprachigen Liedern. „Le Jazz hot“ aus Victor/Victoria von Julie Andrews wird ja im Film „Ödipussi“ in Deutsch von Evelyn Hamann gesungen.

Gestern St. Petersburg: Wegen Visabestimmungen blieb uns ja nur die organisierten Touren. Aufgrund eines Missverständnisses mussten wir ein einem Platz warten. Während andere Tourmitglieder wieder dabei waren, mit ihren Rechtsanwälten zu kommunizieren, wieso jetzt die Peter und Paul Festung nicht mit einer gewissen Intensität besichtigt wurde, erfreuten wir uns an der Disziplin der koreanischen Reisegruppen auf dem Platz. Wir kamen uns vor, wie im Glacier-Express, wenn die Lok aus dem Kehrtunnel bereits rausguckt und während der letzte Waggon noch draußen vor dem Tunnel fährt. In die Peter und Paul Kathedrale lief das der Anfang der fahnengeführten koreanischen Tourgruppe raus, während das Ende noch reinlief. Unglaublich! Und alle schauten strahlend und glücklich raus, dass sie es sehen durften. Nur unsere mussten wie üblich meckern. Oder die Amerikaner, die sich weigerten aus dem Bus auszusteigen, weil der Kleinbus nicht durch den Eingang der Kathedrale passt. Der Motor lief, damit die Klimaanlage weiterläuft. Und unsere Gruppe? Nur weil wir im Zeitplan aufgrund der chaotischen Verkehrsverhältnisse, für die ja nun die Reiseleitung auch nichts kann, hinterherhinkten, uns dann noch durch die Kathedrale zu führen statt die Festung – man kann St. Petersburg mit seinen tausenden von Kulturschätzen nicht in 3 Stunden auf einer Halbtagestour für 59 EUR inkl. Visum besichtigen! Unser St. Petersburg-Führer hat über 100 Seiten und die Stadt ist eben nicht Tallinn! St. Petersburg hakt man nicht an einem Tag ab, sondern man muss hier schon mehrere Tage bleiben. Wir werden die Chance nutzen, vielleicht doch mal eine Flusskreuzfahrt von Moskau nach St. Petersburg zu machen (umgekehrt wäre es ein Kulturschock!!!).

Man muss auch noch zwei Sachen der Reiseleitung positiv zu Gute halten:

1. Putin ist in der Stadt und dementsprechend ist es chaotisch hier! Nun musste deswegen der Tourplan geändert werden, weil das Bernsteinzimmer durch Putin und seinen Empfang blockiert war. Sie haben mit Improvisationsgeschick, Flexibilität und Professionalität auf solche Ereignisse reagiert. Schon in Warnemünde wurden wir darüber informiert. Und auch jedem, der sich den Zettel bei der Einschiffung nicht durchgelesen hat oder beim Vorgänger in der Schlange nicht zugehört hat, wurden nicht Gingko-Tabletten in die Hand gedrückt, sondern man hat alles nochmals freundlich und sachlich erklärt.

2. Die Touren sind für meinen Geschmack teurer. Aber es ist so wie mit ARD und ZDF: Man zahlt Rundfunkgebühren, damit man im Film keine Werbeunterbrechung hat. D. h. keine Besuche von westlichen Toiletten in einer Matrjoschka-, Pelzmützen-, Bernstein-, Kaviar- oder Wodkafabrik, um eine Cross-Selling-Veranstaltung daraus zu machen, die von solchen Firmen gesponsort werden. In St. Petersburg muss man allerdings von den Touren immer MINDESTENS 40 EUR für ein Einzelvisum abziehen, die sonst auf einen als Kosten für die Beschaffung zugekommen wären.

Der Abend war dann sehr russisch geprägt: das russische Menü – die russischen Lieder (nichts für Selbstmordgefährdete) und der russische Mitternachtssnack. Und bevor überhaupt der erste Bissen gegessen wurde, kamen schon die ersten Kommentare der Schlafwandler: „Warum müssen da so viele Kartoffeln darin sein – die haben doch gar nichts darin verloren!“ Egal ob da nun viele oder wenig Kartoffeln darin waren: Trotzdem essen: ist echt lecker!!! Was ich allerdings witzig finde: Trotz der Zeitumstellung zwischen MESZ, OESZ und Moskauer Sommerzeit: Die Schlafwandler kommen immer pünktlich zum Mitternachtssnack – egal in welcher Zeitzone. Das scheint wohl genetisch zu sein… Vor allem was sehr schön war, weil wir ein Traumwetter gestern hatten (heute meldet mir eine Freundin aus St. Petersburg: strömender Regen!): ein wunderschöner Sonnenuntergang.

Wir hatten gestern Gelegenheit noch mit Andrej ein paar Worte zu wechseln. Er bot uns an, dass wir uns evtl. zwei andere verfügbare Kabinen ansehen, um umzuziehen, falls es uns zu unruhig sei. Angesehen haben wir sie uns und sind zur folgenden Erkenntnis gekommen: Preis ist kein Kriterium für eine ruhige Kabine. Wir hätten also für 100 EUR pro Person einen Deck höher buchen können, aber sie wäre unruhiger gewesen. Dafür hätten wir auch eine Innenkabine haben können, die fast eine Friedhofsstille geboten hätte. Wir haben aber die Chance genutzt uns näher die Badezimmer anzusehen. Es gibt also auch schon GROHE-Massageduschköpfe an Bord. Wir verzichten auf den Umzug, weil wir uns daran gewöhnt haben. Im Gegenteil: wir haben in Flensburg uns die Vibratoren schon bestellt, damit wir zu Hause wieder „gewohnt“ schlafen können… Und für alle nachfolgenden Reisenden: Wenn ein GROHE-massageduschkopf in der Kabine des Venus-Deck fehlen sollte: Das waren wir!!! Und ansonsten: man kann Glück und man kann Pech mit den Kabinen haben – egal wie viel man zahlt oder wie früh man bucht.

Fazit: Meckert bitte, wenn es sein muss, am Anfang. Sie tun wirklich ALLES, was irgendwie möglich ist. Auch die Show der Umzügler ist fantastisch und unbezahlbar. Man braucht sich nur im Gang hinzustellen. Ist ja auch interessant zu sehen, welchen Hausrat andere für eine Kreuzfahrt mitschleppen… Und wenn man denen die Hilfe beim Umzug mit anbietet, kann ich gar nicht verstehen, warum die so böse reagieren…

„Enttäuscht“ bin ich zwischenzeitlich von Michal und Gregorius – eigentlich meinem Lieblingskellnerteam… Stellt euch vor: die Frühstücksgäste müssen noch ihre eigenen Tüten aus den Kabinen mitbringen, um die Sachen vom Büffet zum Zimmer mitzunehmen… Ich habe Michal heute morgen gesagt, dass er doch bitte den Leuten künftig Tupperdosen vorbereiten soll – das hätte mehr Stil als die selbst-mitgebrachten Lidl-Tüten. Dieser Anblick ist für uns anderen eine Zumutung. Übrigens: auf Wunsch werden in der Tat Lunchpakete hergerichtet, ohne dass man sich heimlich mit einem Beutel davonschleichen muss…

In diesem Sinne: Wir kommen langsam in Helsinki an. Bis demnächst mal wieder!!!

Schöne Grüße
Hein Bloed

N. B. Hier kann man sich ¾ volle Gläser leisten… Ist ja ziemlich billig! Allerdings bei Suppen sieht es anders aus: Bring einen Messbecher mit, dann kannst du nachmessen, ob du auch immer ½ volle Suppentassen bekommst. Aber für den Geschmack reicht es. Sie machen das bewusst, damit auf jeden Fall um Mitternacht kommst, um die Show der Schlafwandler nicht zu verpassen!!! Du würdest ja sonst durchschlafen, falls du vollkommen satt wärst…
 
Posts: 2632 | Location: In the heart of Europe: Germany... | Registered: May 23, 2006Edit or Delete MessageReport This Post
Experienced Cruiser
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Hallo HeinBloed,

normaler Weise lese ich lange Berichte nur flüchtig durch, um interessante Dinge zu finden.
Deine Art der "Berichterstattung" ist einfach super.
Gut und erfrischend geschrieben, man muss einfach alles komplett lesen.

Noch viel Freude wünscht Dir
Klaus
 
Posts: 320 | Location: Germany | Registered: November 18, 2005Edit or Delete MessageReport This Post
Serious Cruiser
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deine berichte sind weltmeisterlich !
KÖNNTE ICH BLOS SO GUT SCHREIBEN
danke udo ThumbUp