Wir haben 6 stürmische Tage bei Bft. 8-9 und Seestärke 6-7 auf der Albatros glänzend überstanden. Kompliment, old lady, für deine Seefestigkeit und Stabilität! Nachdem wir im vergangenen Herbst schon einen Orkan (70 kn) und Seestärke 8 auf der Constellation östlich von Korsika in erträglicher Manier abgeritten haben, ohne leider Livorno und La Spezia anlaufen zu können, war dies die zweite glänzend überstandene Sturmerfahrung. Die Albatros konnte auch in jedem geplanten Anlaufhafen auf Reede oder mit Schlepperhilfe am Pier festmachen. Sailor, kommst du nach Bremerhaven, wirst du an der Kaiserschleuse sogleich von virtuellen Internetbekannten (shiplovers.de) überholt. So fühlt man sich doch gleich zuhause! Der erste äußere Eindruck vom Schiff ist jedoch etwas ernüchternd, überall sind sichtbare Rostspuren, und kein Mensch ist zu sehen, der sich daran machte, diese zu überpönen. Vielleicht wird die Albatros ja einen neuen Grundanstrich bekommen. Gut täte er ihr sicherlich. Nach Betreten des Schiffes wurde ich jedoch sehr positiv überrascht. Nach der Begrüßung durch den Kreuzfahrtdirektor wurde jeder Gast – wie bei Premium-Schiffen üblich – von den Stewards zu den Kabinen geleitet. Ein angenehmer Service, auf den man heutzutage selbst bei der QM II verzichten muss. Die zweite Überraschung folgte sofort. Statt der gebuchten Einzel-Innenkabine hatte Phoenix mir eine Drei-Bett-Außenkabine auf Deck 3 mittschiffs zugewiesen. Sehr angenehm, gut schallisoliert und ruhig! Die Kabine ist in hellen, cremefarbenen Tönen gehalten und mit pastellfarbenen Vorhängen und Bettüberwürfen ausgestattet, farblich etwas langweilig, aber mit nur wenigen Gebrauchsspuren. Die Abnutzung der Möbel fällt selbst bei der zwanzig Jahre jüngeren AIDAblu stärker als auf diesem Schiff ins Gewicht. Dafür wurde das 30 Jahre alte 40 cm-TV-Gerät seit der Indienststellung nicht ausgetauscht, es hat keine Fernbedienung. Das Duschbad ist auch sehr (!!) abgenutzt, aber man kann ausreichend warm und druckstark duschen. Was will man mehr? Die Betten hingegen sind sehr bequem. Die öffentlichen Räume wirken auf mich sehr gepflegt; sie sind meist mit neuen Teppichen ausgestattet, sehr hell und freundlich, die Treppenhäuser sind aufwändig mit Spiegeln verglast und wirken dadurch sogar etwas elegant. Irgendwie merkt man dem Schiff an, das es vor langer Zeit (31 Jahre!) einmal zu den weltbesten Kreuzfahrtschiffen gehörte. Mir gefällt es jedenfalls wesentlich besser als die Transocean-Schiffe und insbesondere auch die „vergammelte“ Mona Lisa. Dass Phoenix Reisen bisher manchen Kreuzfahrtenthusiasten eine Besichtigung verwehrte, ist für mich nicht nachvollziehbar. Man braucht sich nicht zu verstecken, und es wurden auch größere Besuchergruppen am 17. und 23.9. durch das Schiff geführt. Auch waren zahlreiche Reisebüroexpedienten während unserer Reise an Bord, um das Schiff kennen zu lernen. Hie und da müssen sicherlich mal neue Möbel her, aber man fühlt sich auch so sehr wohl in der Karibik Lounge, einer Observation Lounge auf Deck 9, vergleichbar einem crow´s nest bei HAL, der Pazifik- und Atlantik-Lounge, in der Casablanca und Harry´s Bar, sowie im kleinen Casino und im Fitness-Center, in dem die Saunen leider ein Schattendasein führen und – wie auf amerikanischen Schiffen üblich - nach Geschlechtern getrennt sind. Im Kino werden aktuelle deutsche Filme, wie beispielsweise „Luther“, „Der Schuh des Manitou“ oder „Das Wunder von Bern“ gezeigt. Auf den Außendecks gibt es – wie bei so vielen Schiffen – leider zu wenig sonnengeschützte Plätze, dafür sind aber viele Stellen erfreulich windgeschützt. Statt der billig anmutenden weißen Plastikmöbel hat die Reederei das Schiff mit Stühlen im Rattandesign ausgestattet. Der holländischen Schiffs- und Kreuzfahrtführung gelingt es, die Gäste weitgehend zufrieden zu stellen. Capitän Augustinus van Crooy holt zwar aus dem Schiff nicht mehr als 16 kn Geschwindigkeit heraus, aber er kann den Fahrplan weitestgehend einhalten. Der Schiffsantrieb ist zwar sehr abgasreich, hinterlässt aber keine Rußablagerungen auf den Decks, und ist insgesamt erfreulich vibrationsarm. Kreuzfahrtdirektor Michael van Oosterhout hat eine internationale Unterhaltungscrew an seiner Seite, die - für meinen Geschmack – ein sehr hausbackenes, aber abwechslungs-reiches Unterhaltungsprogramm in der Atlantik Lounge bietet, das für die meisten Passagiere aber sehr angemessen ist. Die Passagiere aus zehn Ländern, die meisten von ihnen natürlich aus Deutschland, waren zwischen 8 Monaten und 80 Jahren alt, erfreulich viele aber auch in den Zwanzigern bis Vierzigern. Dadurch wurde der Altersdurchschnitt - für ein deutsches Schiff - recht niedrig gehalten. In allen Lounges und Bars wird nette Unterhaltungs- und Tanzmusik gespielt. Die Auswahl ist wirklich groß und bietet für jeden etwas. Chefkoch Finn Larsen kann bei nur einer Essenszeit, freiem Tischwein und Kaffee und einer Auswahl von drei Hauptgerichten alle Geschmäcker zufrieden stellen. Die internationale Kellnerschar unterstützt ihn dabei in sehr freundlicher Weise. Dabei kann es dann aber auch schon mal passieren, dass man statt eines Cocktails mit dem Namen „Cooler“ eine Cola erhält, aber das macht ja nichts und lässt sich korrigieren. Leider ist die Büffetauswahl auf dem Achterdeck zu gering, Salat fehlt gänzlich und das Essen ist meist kalt, auch gibt es hier nur Nescafé. Fazit: Ein Schiff, dass den deutschen Kreuzfahrtmarkt in angenehmer Form und mit erschwinglichen Preisen bereichert.
Posts: 199 | Location: Hamburg | Registered: October 23, 2003
ein sehr interessanter Reisebericht - vielen Dank dafür!
Ich habe ja die Hoffnung noch nicht aufgegeben, im kommenden Jahr an Bord zu kommen. Vielleicht ist es ja dann möglich.
In diesem Schiff steckt in jedem Fall sehr viel Potential. Wenn man sieht, was Fred. Olsen aus der "Black Watch" gemacht hat (die nächstes Jahr ja sogar neue Motoren bekommen wird), dann ist klar, daß diese Schiffe bei sorgfältiger Pflege noch längst nicht zum "alten Eisen" gehören.
Hallo Peter, da scheint sich ja doch einiges getan zu haben. Ich war bei meinem Besuch im Mai so negativ überrascht, dass ich den Auftrag, ein Schiffsporträt zu schreiben, "vergessen" habe. Die Herrn Zurnieden und Krumpen waren an dem Tag auch an Bord. Und beide haben nachdrücklich versichert, dass es noch viel zu tun gäbe. Schön, dass es sich dabei scheinbar nicht nur um Lippenbekenntnise gehandelt hat... Fred
Hallo Peter, vielen Dank für die Information zur Albatros. Im Großen und Ganzen gibst du damit auch meinen Eindruck wieder. Ich hatte zur Besichtigung im August leider nur die Möglichkeit, die öffentlichen Räume zu besichtigen. Die Rostspuren sind mir zu dem Zeitpunkt allerdings nicht aufgefallen. Nun ja, es erfordert ja auch pausenlose unermüdliche Arbeit der Besatzung, ein Schiff immer in Schuss zu halten. Wollen wir hoffen, dass sich Phönix weiterhin bemüht, das Schiff zu verbessern.
Hier finden Interessenten ein paar Fotos von dem Besuch auf der Albatros in Reikjavik im August - Rundgang MS Albatros.
MSC Melody 2000 u. 2001, MS Delphin 2002, MS Delphin Renaissance 2003, TS Maxim Gorki 2004, Aida Vita 2005, Color Fantasy 2005, MSC Sinfonia 2006, MS Millenium 2007, MS Nestroy 2007
vielen Dank für diesen wirklich guten Bericht. Noch eine kurze Frage: Wie ist im Service-Bereich die Mannschaftszusammensetzung? Ich hörte, dass kaum noch die früher so beliebten Filipinos an Bord sein sollten? Beste Grüße aus Bremen - Guido
Moin Guido, es ist richtig, was du gehört hast. Die Filipinos sind hauptsächlich im Kabinenbereich und bei den Technikern eingesetzt. Unsere freundlichen weiblichen Stewards sprachen gut deutsch und kamen aus der Ukraine und Estland. Es gibt aber daneben auch zahlreiche farbige, spanisch sprechende Servicekräfte. Der Maitre´d ist aus Jugoslawien, also sehr international - aus 30 Ländern - zusammengesetzt. Gruß Peter
Posts: 199 | Location: Hamburg | Registered: October 23, 2003
Hallo Peter, Auch ich bedanke mich für diesen interessanten Bericht. Ich versuche auch immer gern zwischen den Zeilen zu lesen. Immerhin, hast Du diese Fahrt und damit auch diesen Bericht, im Alleingang, also ohne Einflüsse Deiner Frau, bzw. Deinen Töchtern getätigt. Gut und weniger gut (schlecht), liegen oft dicht beieinander. Manchmal werden Aussagen unterschiedlich bewertet und als Ergebnis unterschiedlich interpretiert. Aber der Vergleich zur "MONA LISA", hilft hier bei der Einstufung doch deutlich weiter. Auf jeden Fall meine ich, dass Deine Bemühung, nach ordentlicher Darstellung der eigenen Eindrücke, sehr gut zu erkennen sind. Viele Grüße Rainer
Hallo Peter mit ganz großem Interesse habe ich natürlich Deinen Bericht gelesen. Gibt es denn die Kaffeeautomaten am Pool nicht mehr? Die funktionierten auch nur Minutenweise , aber immerhin bekam man einen frisch gebrühten Kaffee Cruisedirektor Gleis sagte allerdings auf der Jungfernfahrt, dass die Reederei mehr in die Sicherheit und Maschine investiert hat und die öffentlichen Bereiche später drankommen.Sei froh , dass Du nich den deutschen Koch mit kanadischem Pass hattest, der schwebte in der Vorstellungswelt der Nachkriegszeit und dachte mit Riesenportionen Sauerkraut und Würstel die Deutschen satt mach zu müssen. Warten wir mal die Werftzeit ab und im nächsten August werde ich dann "meine" Albatros inspizieren. Maritime Grüße Gerd
Moin Gerd, ich habe deinen Bericht im ruderhaus noch einmal nachgelesen und über die Probleme beim Büffet am Pool nachgedacht. Wir konnten froh sein, tagsüber nie mehr als 15° C gehabt zu haben, daher gab es mittags, zur Kaffestunde und zum Abendbüffet keinen Andrang. Die meisten Mitfahrer bevorzugten den Restaurantbereich, insofern teilten sich nur die hartgesottenen Freiluftliebhaber den Poolbereich ohne Drängelei, was bei besserem Wetter aber katastrophal sein muss, da der Platz am Büffet wirklich sehr beengt ist. Ich habe mittags immer und abends zweimal am Pool gegessen. Der Kaffee kommt weiterhin aus einem funktionierenden Automaten, der aber offensichtlich geschmacklich mit Nescafé angefüllt ist. Gruß Peter
Posts: 199 | Location: Hamburg | Registered: October 23, 2003
Hallo an alle!! Also, ich habe im August 12 Tage auf der ALBATROS verbracht, und letzte Woche nochmals 7 Tage (ab Las Palmas / an Monte Carlo) - und ich muss sagen, dass es "immer besser" wird. Nur noch ein kleiner Hinweis zum LIDO-Buffet am Pool!! In der Tat ist das LIDO während der Mittagszeit recht voll (wenn´s denn warm ist), allerdings gilt dies NICHT für die Abendessen!! Es wird mehrmals wöchentlich am LIDO das "Themen-Abendessen" aus den Restaurants auch am LIDO als Buffet geboten. Hierzu werden alle verfügbaren Tischen eingedeckt - leider mit sehr geringem Erfolg! In St. Petersburg (Ende August) habe ich das ja noch verstanden, allerdings nicht bei 25 Grad, wenn das Schiff z.B. in Las Palmas ist (oder auch in Agadir). Hier waren die Tische noch nicht einmal zu 25% belegt - schade!! Dann habe ich aber grad´ noch eine Frage: C-Cruises hat ja noch ein weiteres Schiff: DIE MS VAN GOGH! Ich hörte davon, dass es wohl einen schweren Unfall hatte?!?!?! Kann jemand dazu was sagen?? Das war´s nun ersteinmal, Gruss Andreas
"schwer" war der Unfall der "Van Gogh" nur vom Potential her - einen Öltanker zu rammen kann böse ausgehen. Glücklicherweise wurden beide Schiffe nicht besonders schwer beschädigt. Weitere Details findest Du in diesem Thread.