nachdem ich gestern die Möglichkeit hatte, die beiden Phoenix-Schiffe "Albatros" und "Alexander von Humboldt" zu besichtigen, diesmal von mir ein paar erste Eindrücke.
Zuerst ging's auf die "Albatros":
Nach all dem, was man über dieses Schiff in den letzten gut 12 Monaten so gehört hat, war ich sehr positiv überrascht.
Insbesondere den Kabinen sieht man ihr Alter zwar deutlich an, doch alt bedeutet in meinen Augen ja nicht unbedingt schlecht, wenn nur der Pflegezustand stimmt. Und gerade zu dem kann man natürlich im Rahmen eines so kurzen Besuchs wenig sagen, auch wenn man sich eine recht beachtliche Anzahl Beispielkabinen angesehen hat. Es fiel auf, daß viele Kabinen recht spärlich beleuchtet sind, was sich natürlich insbesondere bei den Innenkabinen in einer etwas düsteren Atmosphäre widerspiegelte. Ansonsten sah auf den ersten Blick zwar vieles altbacken, aber nicht anderweitig vernachlässigt aus.
Die öffentlichen Räume haben mir nahezu ausnahmslos sehr gut gefallen. Hier wurde offensichtlich reichlich renoviert, und das Resultat kann sich wirklich sehen lassen. Die Restaurants, der Musiksalon, die Bars - alles hinterließ einen guten Eindruck. Bei genauerem Hinsehen fand man zwar auch immer wieder ein paar Ecken, an denen noch etwas getan werden sollte (so fehlt dem Ruhebereich des Fitness- und Wellnesskomplexes eine ansprechende Deckenverkleidung), aber an vielen Stellen wurde auch deutlich, daß dieses Schiff zu seiner Blütezeit in den 1970er und frühen 1980er Jahren zurecht für seine Großzügigkeit und Ausstattung gelobt wurde. Auch wenn heute für Luxusschiffe andere Standards gelten, macht die "Albatros" im Segment der gehobenen Mittelklasse auch heute noch einen guten Eindruck. Auffällig sind viele über das Schiff verteilte Sitzmöglichkeiten - und in einem der Treppenhäuser findet sich ein tolles, großformatiges Gemälde der unvergessenen alten "Albatros".
Wer (wie Stephan) mit seiner Tour des Schiffes ganz oben auf dem obersten Freideck beginnt, dürfte allerdings einen eher negativen ersten Eindruck in Erinnerung behalten. Dort besteht deutlicher Handlungsbedarf. Das Deck ist mit blauen Plastikmatten ausgelegt, wie man sie beispielsweise aus Schwimmbädern (und auch von manch anderem Schiff) kennt. Leider präsentieren sie sich in einem teilweise erbärmlichen Zustand - Farbkleckse fast überall. Wer ohnehin nicht gut zu Fuß ist, sollte einen großen Bogen um diesen Bereich machen: Deutliche Unebenheiten und durch herausgebrochene kleine Stücke entstandene Stolperfallen schreien geradezu nach Ausbesserung bzw. Ersatz. Die wohl sinnvollste wie kostengünstigste Möglichkeit wäre es, den ganzen Deckbelag zu entsorgen, das darunter befindliche Stahldeck ggf. zu ebnen (notfalls mit Beton, Harz o.ä.) und das ganze einfach blau überzustreichen. Besser als der heutige "Hindernisparcours" wäre das allemal.
Die übrigen Außendecks präsentieren sich sehr ordentlich mit reichlich Holz und hinterlassen einen guten Eindruck.
Anschließend ging es an Bord der "Alexander von Humboldt", wo Patrick und ich gemeinsam mit Gerd (nochmals danke für die Schiffsführung!) einen Rundgang gemacht haben:
Das Schiff wirkt wie ein "R"-Klasse-Schiff en miniature. Die öffentlichen Räume sind im englischen Landhausstil eingerichtet, wirken aber - da vielfach hellere Hölzer eingesetzt wurden - insgesamt weniger formell als das Interieur der "R"-Schiffe. Das Restaurant ist ein wahres Prunkstück - noch beeindruckender ist allerdings die gewaltige Bordbibliothek, die mit unzähligen Büchern (die große Mehrheit davon in englischer Sprache) und vielen gemütlichen Sitzecken zum "Schmökern" einlädt. Sogar ein Bordkino gibt es. Das Büfettrestaurant gibt sich hell und maritim, und das achtere Sonnendeck wirkt mit seinen schweren Holzmöbeln äußerst edel. Ebenfalls erstaunlich für ein so kleines Schiff ist eine großzügige Rundumpromenade.
Die meisten Kabinen wirken im Vergleich zur restlichen Inneneinrichtung etwas bieder und sind von eher durchschnittlicher Größe, hinterlassen jedoch einen gemütlichen Eindruck. Alles in allem ein sehr schönes Schiff.
ich darf mich Raoul's genannten Punkten anschließen. Die ALBATROS ist ein gutes Schiff der 70er Jahre. Die Großzügigkeit der Raumlichkeiten lassen durchaus erkennen, daß sie mal eines der drei weltbesten Kreuzfahrtschiffe war, auch wenn heute für dieses Segment ganz andere Kriterien gelten. Sie ist keine neue mehr, so soll sie sich sicherlich auch nicht darstellen. Ein guter Klassiker eben, der mir recht gut gewartet zu sein scheint (abgesehen vom Sportdeck und 1-2 Stellen im Inneren, wo etwas mehr "Liebe zum Detail" auf der Strecke bleibt. Da sie ja demnächst in die Werft geht, werden die noch bestehenden "Mängelchen" sicherlich aus der Welt geschafft. Auf jeden Fall sind dies für mich persönlich keine Gründe, dieses schöne Schiff zu meiden oder es gar als schlecht gewartet zu beurteilen. Vieles, was die ehemaligen Betrieber versäumt haben, haben Club Cruise und Phoenix in harter Arbeit sicherlich schon wieder wett gemacht. Die ALBATROS soll ja, ebenfalls wie ihre Schwestern BLACK WATCH und BOUDICCA, neue Maschinen erhalten. Ein weiterer Punkt, daß Club Cruise und Phoenix alles daran setzen werden, sie Schritt für Schritt noch besser zu machen, als sie schon ist Komisch schien mir, daß sie noch über keine Sprinkler verfügt, lediglich über Rauchmelder. Die Leitungen für das Sprinklersystem liegen aber schon, ebenso gibt es Löcher in den Panelen, wo die Sprinkler eingesetzt werden. Das dürfte also ebenfalls in der nahen Zukunft installiert werden. Über Service und Essen kann ich nicht urteilen, dafür muß iregendwann mal eine richtige Kreuzfahrt mit ihr her. Dennoch, ein faires Produkt.
Die ALEXANDER VON HUMBOLDT mochte ich ja schon immer ! Auch jetzt gefällt sie mir immer noch. Der britische Stil wirkt maritim-gemütlich, ist aber, wie Raoul schon schrieb, nicht so dunkel wie z.B. bei der R-Klasse. Meines Erachtens ein hervorragendes Schiff mit dem sich sowohl Expeditionsfahrten als auch traditionalle Kreuzfahrten anbieten. Die Betten in den Kabinen (man kann sie zu einem Doppelbett umbauen) rutschen leider etwas hin und her. Das könnte bei Seegang mal wackelig werden. Ansonsten sind die Kabinen und Badezimmer absolut in Ordnung und zeigen keine Alterserscheinungen.
Schöne Schiffe auf jeden Fall. Jetzt fehlt nur noch die AMADEA und Phoenix hat eine perfekte Flotte und ausreichende Auswahl für jeden Geschmack !
Hallo Patrick und Raoul es wird immer gesagt, die Royal Viking Sea war ein 5 Sterneschiff. Wird das nicht mit der Sun verwechselt, die ja wirklich 5 Sterne und die entsprechende Ausstattung hatte. Ich hab sie damals mal besichtigt, es liegen Welten zwischen den beiden Schiffen. Leider hab ich kein Nachschlagewerk aus der Zeit. Maritime Grüße Gerd
nein - es sind schon die ursprünglichen RVL-Schiffe gemeint. Man kann sich das heute sicherlich nicht mehr vorstellen, aber in den 1970ern waren die "Albatros" und ihre Schwesterschiffe das beste, was der Kreuzfahrtmarkt zu bieten hatte. Die "Royal Viking Sun" kam ja erst zu einer Zeit hinzu, als das Kind schon nahezu in den Brunnen gefallen war - sie kam zu spät, um die Royal Viking Line zu retten, auch wenn Namensrechte und Schiff dann zu Cunard wechselten.
Heute war die neue Ausgabe von "an Bord" im Briefkasten. Der avisierte Reisebericht von der "Jungfernreise" der ALEXANDER VON HUMBOLDT wurde auf vier Seiten veröffentlicht. Leider hat man einige Bilder "unter den Tisch" fallen lassen (u. a. das mit dem beiden neugierigen Pinguinen im Zodiac "Queen Mum"), aber das dürfte den Inhalt nicht weiter beeinträchtigen. Ich kann Route und Schiff nur empfehlen...