Hallo KF-Freunde,
nachdem ich heute einigermaßen ausgeschlafen bin, möchte ich gerne von meiner Schiffsbesichtigung auf der EUROPA berichten.
Die Besichtigung habe ich über ein Reisebüro gebucht, bei dem ich einen Newsletter beziehe.
Euren Tipp direkt bei Hapag-Lloyd anzufragen habe ich befolgt, aber mir wurde mitgeteilt, dass für dieses Jahr alle Individualanfragen bereits berücksichtigt wurden und alles ausgebucht ist.
Auch habe ich (möglicherweise die anderen) keinen Gutschein für eine Verrechnung auf spätere Reisen erhalten. Allerdings muss man dazu erwähnen, dass ich kein Kunde dieses Reisebüros bin und auch die Tour etwas abweichend als Eigenanreise gebucht habe.
Um 02.30 Uhr ging es dann von Köln nach Kiel. Um 08.30 Uhr lagen am Schwedenkai die AIDAblu und vis-à-vis die EUROPA.
Da die Tour erst um 11.00 Uhr beginnen sollte, habe ich die Chance genutzt, und bin mit der Fähre nach Laboe gefahren und habe dadurch einige schöne Außenaufnahmen gemacht. „Blöderweise“ kamen dann so Schiffe, wie die STENA GERMANICA oder die COLOR FANTASY ins Bild, die als Dank dafür wie im Ballett eine schöne Pirouette hingelegt hat.
Von Laboe ging es dann mit dem Linienbus direkt zurück vor den Norwegenkai, an dem sich zwischenzeitlich die COLOR FANTASY neben der EUROPA bequem gemacht hat. Auch war gerade in diesem Moment ein Bus mit Göttingen angekommen und mein Rest der 11-köpfigen Gruppe war somit da. Der Gruppenleiter war passend zur EUROPA angezogen. Deswegen war ich auch ziemlich froh, dass ich ebenfalls Stoffhose und Krawatte anhatte. Die anderen Gruppenmitglieder waren z. T. in meinem Alter, teils älter. Sehr viele Kenner der alten EUROPA, die unbedingt die neue kennen lernen wollten.
Im Terminal war ein Empfangsstand aufgebaut. Es wurde nach Reisebüros unterschieden, an welchem Stand man sich anstellen musste. Der Personalausweis wurde überprüft und man erhielt je nach Gruppengehörigkeit einen farblich-markierten Ausweis.
Empfangen wurden wir von einer Mitarbeiterin von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten in Hamburg. Insgesamt gab es wohl ca. zehn Gruppen an diesem Tag.
Zunächst wurde man in die Europa-Lounge geführt, in der man mit einem Prosecco oder Saft begrüßt wurde. Die Europa-Lounge fällt durch ein schönes Gefälle auf und die Anordnung erinnert sehr stark an asiatische Reisterassen. Dadurch hat man jedoch von jedem Platz aus einen ungestörten Blick auf die Bühne.
Der Beginn der Touren verzögerte sich, weil man auf das Erscheinen des Kapitäns gewartet hat, der jedoch nicht erschienen ist. Unsere HLKF-Betreuerin hat jedoch die Wartezeit für eine Fragestunde genutzt, so dass ich doch sehr viel auch über die COLUMBUS und die Große-Seen-Routen erfahren habe.
Nach dem man nicht länger auf den Kapitän warten wollte, ging es endlich los.
Zunächst ging es ein einer der gehobeneren Suiten im Heckbereich. Aufgrund der Verzögerung im Ablauf erlaubte die Dame nicht, dass wir mal auf die Veranda gehen, um zu fotografieren. Auf Fotografen würden sie keine Rücksicht nehmen können.
Die Suite war nett, so wie in einem 5-Sterne-Hotel es üblich ist. Besonders fiel der begehbare Kleiderschrank auf und das Bad, das von vielen Seiten aus betretbar war. Auch wurden wir auf den Butler hingewiesen.
In diesem Bereich habe ich nur deutsches Personal bemerkt.
Weiter ging es zu den Bereichen Sansibar, Poolbereich, div. Lounges und den Spa-Bereich, in dem sich dann so ziemlich alle Gruppen getroffen haben.
Der Spa-Bereich war sehr schön eingerichtet – eben so, wie sich Männer vermutlich das Innere einer Beatyfarm vorstellen.
Weiter ging es dann zu drei weiteren Kabinen:
Einer Heckkabine mit Balkon, die allerdings regelmäßig zugerußt wird
Einer „Standard“kabine mit 27m² und Balkon (aber noch immer inkl. begehbarer Kleiderschrank)
und der „niedrigsten“ Kategorie einer Standardkabine mit 27 m² ohne Balkon und Butler und immer noch mit begehbarem Kleiderschrank.
In diesen Bereichen geht es „normaler“ zu: Personal aus Asien und Osteuropa.
Die „niedrigste“ Kabinenkategorie entspricht also z. T. der „höchsten“ Kabinenkategorie auf anderen Schiffen. Daher wäre zwar der Vergleich mit meinem 53,00 EUR/Nacht-Innenkabine Schnäppchen auf der MSC MUSICA stark hinkend, aber dennoch halte ich knapp 2.400 EUR („niedrigste Kabinenkategorie“) für eine Schnupperkreuzfahrt für drei Nächte etwas überzogen. Für dieses Geld kann ich nur für mich sagen, dann lieber auf die COLUMBUS an die Großen Seen. Aber man bekommt wirklich etwas geboten für sein Geld!
Zu der Preisgestaltung sollte man noch folgendes erwähnen:
1. Ein obligatorisches Trinkgeld gibt es nicht.
2. Nebenkosten, wie Getränke sind extrem günstig: Obwohl ich die LILI MARLEEN schon als sehr günstig fand: Hier kann man sich glatt den Tod durch Mini-Bar auch finanziell leisten, ohne, dass man sich eine Hypothek auf das Haus aufnehmen muss.
3. Auch sind in vielen Preisen die Anreisen bereits inkludiert.
Der Höhepunkt war natürlich das Essen. Es gab ein 4-Gänge-Menü. Nun würde ich es nicht unbedingt als Gourmet-Küche bezeichnen, aber für gut bürgerlich, wäre es zu schlecht. Wollen wir uns auf gehobene Gastronomie einigen??? Die Spezialitätenrestaurants stehen jedem auch ohne Aufpreis zur Verfügung, so dass mir hier die Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Insgesamt war es lecker. Die Portionen kannte ich von der LILI MARLEEN schon her. Ein sehr guter Service, bei dem ich gerne als Schiffsbesichtiger auch Trinkgeld dagelassen habe. Beispielsweise wurde mir irrtümlich ein winziger Schluck kohlensäurehaltiges Mineralwasser in mein Glas gekippt. Ich sagte zwar Stopp und meinte, dass es nicht schlimm sei, aber es wurde sofort das Glas ausgetauscht. Neben diversen Sorten Mineralwässern waren auch alle anderen alkoholfreien Getränke sowie zwei Weinsorten sowie Kaffee im Preis inbegriffen.
Insgesamt war es jedoch der Service eines sehr guten Gourmet-Restaurants, in dem die Butter mit Kühlschale und mehrere Sorten Zucker serviert werden. Auch hat es mir gut gefallen, dass den Roastbeef-Essern ausdrücklich nochmals Rotwein angeboten wurde.
Auch wurde das Servieren zelebriert. An einem 6-er-Tisch wurde immer in einer Diagonalen auf- und abgetragen.
Was mir ebenfalls sehr positiv auffiel:
Die öffentlichen Waschräume mit Stoffhandtüchern. Allerdings halte ich im Restaurantbereich eine Herrentoilette mit einem PP und einem WC für recht knapp bemessen.
Die Freundlichkeit der Mitarbeiter in allen Bereichen – außer dem Spa – die mit sich selbst beschäftigt waren. Sonst haben alle freundlich gegrüßt auch wenn wir beispielsweise irgendwo unabsichtlich in ein Meeting hineingeplatzt sind.
Die Koffermatten auf den Tagesdecken der Betten.
Was nichts für mich persönlich wäre:
Die Gegensätze: einerseits kann ich den Tod durch Mini-Bar mir leisten, aber beim Juwelier an Bord, handelt es sich um eine Filiale von WEMPE.
Das es nur solche großen Kabinen gibt, die entsprechend kosten und entsprechend bestimmte Klientele wie mich ausschließen – bzw. ich würde für das gleiche Geld lieber andere Touren machen.
Was mir nicht gefällt:
Die Preisgestaltung, die natürlich versucht, dass nur die an Bord zu bekommen, die es sich auch leisten können.
Die Interpretation der Anfragen über das Internet: Es wird auf Uhrzeit und Anschriften geachtet, um fein säuberlich „Prospektsammler“ auszusortieren. Ein heutiger Prospektsammler kann morgen ein Kunde sein – schade, dass man so denkt. In der Entscheidungstheorie sind solche Softfacts manchmal später ausschlagend, wenn beispielsweise vergleichbare Angebote vorliegen und man dann sagt, dass man zu dem Zeitpunkt, als man sich es vielleicht noch nicht so leisten konnte, einfach besser durch andere behandelt wurde.
Insgesamt hat die EUROPA auf mich nicht den Eindruck eines schwimmenden Sanatoriums gemacht. Der Vergleich mit einem 5*-Hotel im DEHOGA Bereich ist sicherlich gerechtfertigt.
An Land würde ich für ein vergleichbares Zimmer nicht mehr als 200-250 EUR zahlen zzgl. Vollpension = 350 EUR zzgl. Transport für eine Reise 400 EUR zzgl. Unterhaltung 500 EUR.
Aber 800 EUR/Nacht, wie sie für die Mini-Kreuzfahrt gefordert werden, finde ich persönlich stark überzogen und sind in meinen Augen und für meine Verhältnisse nicht gerecht fertigt.
Also für mich als persönliches Fazit dann lieber zu zweit für 14 Tage auf die COLUMBUS nach Kanada und ich freue mich auf eine Besichtigung auf der COLUMBUS. Und dann freue ich mich, wenn dann ich auf der COLUMBUS an unserer eigenen Fabrik in Sarnia Ontario meine Kollegen von der Seeseite zuwinken kann.
In diesem Sinne: ein tolles Erlebnis, das man mal mitgemacht haben sollte.
Gruß
HeinBloed